31.05.17

Über die Digitalisierung der Ausbildung

beriet der M+E-Berufsbildungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung

Technologien prägen Gesellschaften – und sie verändern sie. Jeder große technologische Fortschritt, ob Mechanisierung, Automatisierung oder Digitalisierung, hat für Umbrüche in Wirtschafts-, Produktions- und Arbeitsformen gesorgt. Mit der extremen Beschleunigung des digitalen Fortschritts und der zunehmenden Integration cyber-physischer Systeme in Lebens- und Arbeitswelten stehen wir heute erneut vor  einem Wandel – und der Frage, wie wir diesen gestalten. Besonders für Unternehmen wird dies zur entscheidenden Zukunftsfrage, wenn es um die Anpassung von Organisationsstrukturen und -prozessen und die dafür notwendigen Kompetenzen geht.

Was also bedeutet die Beschleunigung der Digitalisierung für die Aus- und Weiterbildung in Unternehmen? Das war die zentrale Frage des M+E-Berufsbildungsausschusses am 30. Mai im Haus der Wirtschaft. Letztmalig unter Leitung des langjährigen Vorsitzenden Martin Stöckmann, kamen Ausbildungsverantwortliche, Personalleiter, politische und institutionelle Verantwortungsträger zu Austausch und Diskussion im Rahmen des VME-Ausschusses zusammen.

Neuordnung mit Maß

Eine Einführung in den Status quo der Ausbildungsordnung und ihrer 4.0-Eigung gab Sven-Uwe Räß vom Bundesverband Gesamtmetall. So würden „die bestehenden Ausbildungsrahmenpläne die Mindestanforderungen bereits gut abdecken und den Unternehmen durch flexible Anteile sowie technikoffene und verfahrensneutrale Formulierungen den Spielraum lassen, Auszubildende hinsichtlich der aus Unternehmenssicht relevanten digitalen Kompetenzen zu qualifizieren“, beschrieb Räß den derzeitigen Stand. Doch dies sei nur der Stand heute. Die Zukunft müsse man weiterhin im Blick haben – insbesondere angesichts der rasanten Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen. 

Deshalb haben die Sozialpartner im April 2016  ein agiles Verfahren zur Untersuchung der Industrie-4.0-relevanten Ausbildungsberufe und der darauf aufbauenden Fortbildungen im Bereich der Metall- und Elektroindustrie beschlossen, das nun im vollen Gange ist. Zahlreiche Studien und Forschungsergebnisse wurden von der Experten-Kommission hinsichtlich künftiger Qualifikationsanforderungen untersucht und bewertet. Daraus wurde schließlich ein Handlungsbedarf abgeleitet, der in dem Vorschlag einer zusätzlichen integrativen Berufsbildposition „Digitalisierung  der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“ aufgeht. Diese Teilnovellierung der curricularen Vorgaben in der Ausbildungsordnung ist nun die Basis für ein Neuordnungsverfahren. Wesentliche Kernelemente seien jedoch das Wahren der Flexibilität sowie ein kontinuierliches Monitoring, appellierte Räß. „Zum einen müssen wir aufpassen, dass alle Unternehmen, ob groß oder klein, die Ausbildungsrahmenpläne erfüllen können und weiter ausbilden. Zum anderen müssen wir den Erfolg der Novellierung auch stets überprüfen. Denn wir können nicht einfach blind in irgendeine Richtung fahren“, warnt der Experte.  

Spielräume nutzen

Dass die flexiblen Ausbildungsanteile von den Unternehmen durchaus zukunftsgerichtet genutzt werden, präsentierte Harald Tragmann vom BMW Motorrad Werk Berlin. „Grundkenntnisse zu neuen digitalen Technologien sind wichtig, damit die Auszubildenden sich später notwendige vertiefende Kenntnisse leichter aneignen können“, erläuterte Tragmann den Hintergrund des betrieblichen Engagements. Entsprechend müssten sich betriebliche Transformationsprozesse auch in der Ausbildung widerspiegeln.

In dem altbewährten Industriebetrieb entstehen heute in vielen Bereichen digitale Projekte, die Stück für Stück zu einem großen Transformationsprozess zusammenwachsen. Diese Themen bringt das Unternehmen auch in die Ausbildung ein. So identifiziert eine standortübergreifende Arbeitsgruppe die Qualifikationen, die von den jeweiligen Projektbereichen als zukunftsrelevant erachtet werden. Diese werden wiederum in Azubi-Projekte umgewandelt, in denen Wissen spielerisch vermittelt werden kann. Denn „der beste Weg für Auszubildende ist es, Dinge eigenständig zu entwickeln und auf diese Weise zu lernen, wie Kenntnisse in den betrieblichen Alltag übertragen werden können“, weiß Tragmann. Heute programmieren seine Auszubildenden beispielsweise die Transportwege für den Logistikroboter „Robotino“ eigenständig. Biegt der Roboter einmal falsch ab, müssen die Azubis den Fehler selbständig finden und korrigieren. Und aus Fehlern lernt man bekanntlich am besten.

Frank Schröder (k.o.s. GmbH)
Frank Schröder, k.o.s. GmbH, über Zusatzqualifikationen für digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung © VME 2017 / Madlen Dietrich

Neue Lernkonzepte etablieren

Dass vor allem die Form des Lehrens und Lernens erfolgsentscheidend ist, weiß auch Frank Schröder von der k.o.s. GmbH. In einem Modellprojekt der ABB Ausbildungszentrum Berlin gGmbH, gefördert vom Land Berlin, entwickelt k.o.s. als Projektpartner anerkannte Zusatzqualifikationen für digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung, die durch eine abschließende Prüfung zertifiziert werden sollen. Dabei sind die Zusatzqualifikationen nicht nur berufsübergreifend und damit auf andere Bereiche übertragbar, sondern basieren auch auf einem neuen Lern- und Lehrkonzept, das hinsichtlich digitaler Themen didaktisch aufbereitet wurde. „Wir müssen weg von einer Belehrungsdidaktik und hin zu einer Ermöglichungsdidaktik“, erläuterte Schröder den Projektansatz. „Dabei müssen vielseitige Lernmittel zum Einsatz kommen. Außerdem muss das Selbstlernen ein integraler Bestandteil der Ausbildung werden.“ Denn erst die Kombination aus Wissenserwerb und Wissenstransfer über Selbstlernmethoden bringe den Erfolg, ist sich Schröder sicher. Das im Projekt erarbeitete Konzept soll später auch auf die Weiterbildung von Beschäftigten übertragen und weitergedacht werden. Doch sei dies noch ein weiter Weg.

Wandel und Nachfolge

Die Digitalisierung bringt viele Umbrüche mit sich – das zeigten die spannenden Vorträge an diesem Tag. Denn mit dem fortschreitenden Wandel der Arbeitswelt muss sich auch die Ausbildung anpassen, will sie künftig eine der wichtigsten Säulen der Fachkräftesicherung bleiben.

Einer der diesen Wandel viele Jahre erfolgreich begleitet hat, sorgte dieses Mal selbst für einen kleinen Umbruch. So übergab Martin Stöckmann sein Amt als Vorsitzender des M+E-Berufsbildungsausschusses an seinen Nachfolger Jörg Matern, ebenfalls von der Siemens AG. VME-Geschäftsführer Alexander Schirp nutzte die Gelegenheit, um Stöckmann nochmal herzlich für sein „langjähriges Engagement im Verband und in den zahlreichen Gremien zum Thema Ausbildung“ zu danken.

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