21.08.20

Auf Abstand bleiben

Was Arbeitgeber beim Arbeits- und Infektionsschutz beachten müssen

Viele Betriebe in Berlin und Brandenburg sind ins Tagesgeschäft zurückgekehrt, dabei gilt weiterhin: Abstands- und Hygieneregeln sind einzuhalten. Für welche Maßnahmen sind die Arbeitgeber verantwortlich?

Richtschnur: Der Arbeitsschutzstandard des BMAS 

Für die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln ist der Arbeitgeber verantwortlich. Zudem legt der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 16. April 2020 fest, dass jedes Unternehmen ein betriebliches Maßnahmenkonzept für zeitlich befristete zusätzliche Maßnahmen zum Infektionsschutz benötigt. 

Die Unternehmen sollen dabei folgende Maßnahmen berücksichtigen:

1. Technische Maßnahmen

  • Der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern wird universell auch bei der Arbeit eingehalten - in Gebäuden, im Freien und in Fahrzeugen.
  • In den Betrieben werden entsprechende Absperrungen, Markierungen oder Zugangsregelungen umgesetzt. Wo dies nicht möglich ist, werden wirksame Alternativen ergriffen.
  • Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume: Der Arbeitgeber stellt Waschgelegenheiten bzw. Desinfektionsspender bereit, um die erforderliche häufige Handhygiene am Ein-/Ausgang und in der Nähe der Arbeitsplätze zu ermöglichen.
  • Regelmäßiges Lüften dient der Hygiene und fördert die Luftqualität, da in geschlossenen Räumen die Anzahl von Krankheitserregern in der Raumluft steigen kann.
  • Büroarbeiten sind möglichst im Homeoffice auszuführen - insbesondere wenn die Büroräume mehreren Personen keine ausreichenden Schutzabstände bieten.
 

2. Organisatorische Maßnahmen

  • Die Nutzung von Verkehrswegen im Betrieb (u.a. Treppen, Türen, Aufzüge) ist so anzupassen, dass ausreichender Abstand eingehalten werden kann.
  • Auch bei Zusammenarbeit mehrerer Beschäftigter, z.B. in der Montage, soll ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Beschäftigten gewährleistet sein.
  • Werkzeuge und Arbeitsmittel sind nach Möglichkeit personenbezogen zu verwenden.
  • Belegungsdichte von Arbeitsbereichen und gemeinsam genutzten Einrichtungen sind durch Maßnahmen zur zeitlichen Entzerrung (versetzte Arbeits- und Pausenzeiten, ggf. Schichtbetrieb) zu verringern.

 

3. Personenbezogene Maßnahmen

  • Bei unvermeidbarem Kontakt zu anderen Personen bzw. nicht einhaltbaren Schutzabständen sollten Mund-Nase-Bedeckungen in besonders gefährdeten Arbeitsbereichen zur Verfügung gestellt und getragen werden.
  • Über die eingeleiteten Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen ist eine umfassende Kommunikation im Betrieb sicherzustellen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge ist den Beschäftigten zu ermöglichen beziehungsweise anzubieten.
 

Konkretisierung: SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Für den Zeitraum der Corona-Pandemie (gemäß § 5 Infektionsschutzgesetz) konkretisiert die am 20.08.2020 veröffentlichte Arbeitsschutzregel die zusätzlich erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen für den betrieblichen Infektionsschutz und die im SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard bereits beschriebenen allgemeinen Maßnahmen. Gleichwertige oder strengere Regeln aus anderen Gesetzen und Verordnungen (z.B. Biostoffverordnung) sind jedoch weiterhin zu beachten.

Handlungshilfen: Branchenspezifische Konkretisierungen und Informationen der Bundesländer

Wichtige Handlungshilfen zur Durchführung der erforderlichen Gefährdungsbeurteilung bilden zudem die branchenspezifischen Konkretisierungen der Unfallversicherungsträger und die von den Bundesländern an Corona angepassten Arbeitsschutz-Informationen (für Brandenburg finden Sie diese Informationen hier, Berlin hat vergleichbare Hinweise bisher nicht veröffentlicht).