13.05.19

Baggern im Umbruch

Antriebs- und Automatisierungstechnik für den Bergbau ist das Metier der ABB Automation GmbH aus Cottbus. Jetzt kommt der Strukturwandel.

Strukturwandel. Kein Wort wird derzeit stärker strapaziert, wenn es um die Zukunft der Lausitz geht. Peter Mühlbach lässt das kalt. Alles schon dagewesen. Er hat die Zeitenwende 1989 erlebt, ein Erdbeben. „Damals änderte sich alles auf einen Schlag, binnen kurzem sind tausende Arbeitsplätze weggefallen“, erinnert er sich. „Ich bin überzeugt, dieses Mal läuft es besser.“

Damals war Mühlbach als Ingenieur einer von rund 3.000 Mitarbeitern des VEB Automatisierungsanlagen Cottbus. Heute heißt das Unternehmen ABB Automation GmbH, und Mühlbach ist der Chef von 140 Beschäftigten am Standort Cottbus. Wieder soll sich vieles ändern. Die Zeit der Braunkohle, die heute direkt und indirekt für rund 20.000 Industrie-Arbeitsplätze steht, läuft ab – so will es die deutsche Politik. 2038 soll nach dem Konzept der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ in der Lausitz die Ära der Kohle zu Ende gehen, nach rund 150 Jahren.

Viele Unternehmen in der Region müssen sich neue Märkte und Geschäftsfelder suchen – auch ABB. Über Jahre haben große Maschinen für den Tagebau das Geschäft bestimmt: Förderbrücken, Bandanlagen und Schaufelradbagger, so lang wie zweieinhalb Fußballfelder und schwer wie 2.000 Elefanten. Die immer wieder verbesserte ABB-Technik hielt sie mit am Laufen. Nicht nur in der Lausitz: In den neunziger Jahren hatten die heimischen Braunkohle- Gruben einen enormen Modernisierungsbedarf. Ganze Förderanlagen wurden entkernt und mit moderner Antriebs- und Automatisierungs-Technik von ABB ausgerüstet. „Bei ABB gab es niemanden mit vergleichbarer Expertise“, erinnert sich Mühlbach. „Schließlich war die kleine DDR mal der weltgrößte Braunkohle-Förderer.“

Band-Anlage, ABB, Automation, Chile
Fördern erfordert robuste Technik: In Tagebauen in den chilenischen Anden arbeiten Band-Anlagen mit Elektro- und Automatisierungskomponenten von ABB. Neue Geschäftsfelder verspricht sich das Unternehmen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, Big Data und spezieller Software. © ABB

Dafür interessierten sich bald auch andere Länder rund um den Globus, die auf großen Rohstoff-Vorkommen saßen. ABB-Antriebe für Löffelbagger etwa helfen, Steinkohle, Eisenerz, Kupfererz, Bauxit, Gold und Zink ans Tageslicht zu befördern. In Chile rüsten die Cottbusser seit 2015 eine der größten Kupferminen mit Automatisierungs- und Antriebstechnik für die weltweit leistungsstärkste Bandanlage aus. Zu den gelieferten Komponenten zählen auch elf tonnenschwere Motoren mit jeweils fünf Megawatt Leistung für die getriebelosen Direktantriebe.

Den deutschen Kohle-Ausstieg sieht Mühlbach entsprechend gelassen. „In den Bergbauregionen dieser Welt gibt es noch viel Potenzial“, erwartet er. Zumal der digitale Wandel, künstliche Intelligenz und die Analyse von Big Data auch für diese relativ konservative Branche neue Möglichkeiten schaffen. In einem Datenlabor in Cottbus arbeiten Programmierer an neuer Software für mehr Effizienz in den Minen. Das Ziel: ABB Cottbus soll zu einem führenden Software- Anbieter für Lagerplatz-Management und datengetriebene Services für Industrieanlagen werden.

Entwickelt und eingesetzt wird bereits eine Software, die für einen deutlich effizienteren Umschlag von Schüttgut etwa in Hafenanlagen sorgt. Neues Geschäft verspricht sich Mühlbach auch von einer Kooperation mit der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). Die von ABB entwickelte weltweit erste Direktantriebslösung für Bandanlagen mit Permanent-Magnet- Motor kommt bei der LEAG schon in einem Pilotprojekt zum Einsatz. Die weltweite Vermarktung hat bereits begonnen.

ABB, Automation, Firmenzentrale, Cottbus
Die Zentrale: In Cottbus beschäftigt ABB Automation rund 140 Mitarbeiter, die für Projekte auf der ganzen Welt tätig sind. Im Datenlabor wird an neuer Software gefeilt. © ABB Automation GmbH

Zudem feilen beide Unternehmen an einem neuen, datenbasierten Geschäftsmodell. Es sieht vor, Daten großer industrieller Anlagen in aller Welt auszuwerten, Kunden ein genaues Bild vom Zustand der Anlagen zu liefern und damit Verfügbarkeit und Performance zu steigern. Ein Pilotprojekt in einem Export-Terminal in Übersee wurde bereits gestartet. Dieses Projekt wird aus dem Regionalentwicklungsprogramm „WIR!“ des Bundes gefördert.

Für ABB kann der Strukturwandel also kommen. „Wir sind diesmal vorbereitet“, meint Mühlbach. „Das Aus für die heimische Braunkohle kommt parallel mit bahnbrechenden technologischen Umwälzungen wie dem Internet der Dinge. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten, die wir aktiv vorantreiben wollen.“

Pressekontakt

Carsten Brönstrup
Abteilungsleiter Presse und Kommunikation, Pressesprecher
Carsten
Brönstrup
Telefon:
+49 30 31005-114
Telefax:
+49 30 31005-166
E-Mail:
Broenstrup [at] vme-net.de