16.05.18

MINT-Frühjahrsreport 2018: Fachkräfte händeringend gesucht

Die MINT-Fachkräftelücke erreicht ein trauriges Rekordhoch – das zeigt der aktuelle MINT-Frühjahrsreport 2018 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Noch nie fehlten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik so viele Arbeitskräfte wie jetzt. Im April betrug die Lücke ganze 314.800 Fachkräfte. Entsprechend händeringend sind die Arbeitgeber auf der Suche nach qualifiziertem Personal aus dem MINT-Bereich.

Die MINT-Lücke hat sich strukturell verändert

Um fast ein Drittel übersteigt die MINT-Arbeitskräftelücke in diesem Jahr den Vorjahresmonat. Dabei ist die Lücke deutlich IT-lastiger geworden. Die Zahl der fehlenden IT-Experten hat sich in den letzten vier Jahren mit einem Anstieg von 16.000 im April 2014 auf nunmehr 39.600 im April 2018 mehr als verdoppelt. Und während vor einigen Jahren noch vorwiegend nach Hochschulabsolventen gesucht wurde, mangelt es heute vor allem an Facharbeitern, Meistern und Technikern.

Für einen möglichst umfangreichen Gesamteindruck fließen in die Berechnungen des MINT-Frühjahrsreportes alle technischen Berufsgruppen ein, also Ausbildungsberufe, Meister, Techniker und akademische Berufe. Der Anteil der akademischen Berufe an den MINT-Berufen beträgt dabei mit 33 % etwa ein Drittel, entsprechend entfallen zwei Drittel (67 %) auf nicht-akademische Berufe.

Während die Zahl der MINT-Hochschulabsolventen zwischen 2005 und 2015 kontinuierlich gestiegen ist, sank die Zahl der Personen mit einer abgeschlossenen MINT-Berufsausbildung jedoch deutlich ab: bei den 35- bis 39-Jährigen zwischen 2005 und 2015 von 24% auf 19,5%, bei den 30- bis 34-Jährigen im gleichen Zeitraum von 22,3% auf 18,2 %. Die Engpässe in diesen Berufsgruppen sind mehr als beunruhigend für die Unternehmen. Denn angesichts der digitalen Entwicklungen spielen MINT-Arbeitskräfte für die Innovationsstärke der deutschen Wirtschaft eine zentrale Rolle.

Regionale Unterschiede: Brandenburgs Fachkräfte altern am stärksten

Die einzelnen Regionen sind dabei unterschiedlich stark betroffen. Während bundesweit in allen MINT-Berufen 278 offene Stellen auf 100 Arbeitslose kommen, hat Bayern mit 446 Stellen auf 100 Arbeitsplätze die größten Engpässe zu verzeichnen – dicht gefolgt von Baden-Württemberg mit 362 und Sachsen-Anhalt-Thüringen mit 295 Stellen. Die Hauptstadtregion indes kann sich in der regionalen Betrachtung zwar über den Spitzenplatz freuen, aber auch hier kommen ganze 144 offene Stellen auf 100 Arbeitslose.

Und dieser Mangel wird demografisch bedingt weiter ansteigen. Denn im Bundesdurchschnitt sind bereits 18,4 von 100 MINT-Beschäftigten älter als 54 Jahre. In Brandenburg ist die Lage demografisch betrachtet am beunruhigendsten. Denn mit 23,2 Prozent weist die Region den höchsten Anteil an älteren Beschäftigten auf, während Berlin mit 17,6 Prozent zu den „jüngeren“ Bundesländern zählt.

Die Unternehmen haben auf diese Entwicklung reagiert und in den letzten Jahren deutlich mehr MINT-Ausbildungsplätze angeboten. Die Zahl der neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge stieg kontinuierlich zwischen 2013 und 2017 von 136.900 auf 144.400 an. Das macht ein Plus von 5,5 %. Doch leider können nicht alle Plätze besetzt werden. In 2017 übertraf die Anzahl unbesetzter MINT-Ausbildungsplätze mit rund 9.700 deutlich die Anzahl unversorgter Bewerber mit 5.300 – ein rechnerisches Lehrstellenplus von 4.400.

Eine Chance für Geflüchtete

Nach Schätzungen des zuständigen IW-Forschers Axel Plünnecke werden die Engpässe nach dem IT-Bereich künftig vor allem die Energietechnik sowie die Bereiche Mechatronik und Automatisierungstechnik betreffen. Und die Lage wäre noch knapper, wenn nicht so viele MINT-Kräfte aus anderen Ländern zugewandert wären. Insbesondere aus Eritrea, dem Irak, Afghanistan und Syrien kamen der Studie zufolge im dritten Quartal 2017 fast 16.400 Beschäftigte aus allen vier MINT-Feldern. Im Jahr zuvor waren es mit 8.000 nur knapp die Hälfte.

Auch in Zukunft können ausländische Arbeitnehmer dazu beitragen, die MINT-Lücke zu verkleinern oder zumindest stabil zu halten. Dazu sei es, laut Plünnecke, wichtig, dass qualifizierte Zuwanderer aus Drittstaaten problemlos nach Deutschland kommen können.

Weitere Möglichkeiten dem MINT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken sind die Stärkung der Berufsorientierung, auch an Gymnasien, die Förderung der MINT-Kompetenzen in den Schulen, die Sicherung des Lehrkräftenachwuchses im MINT-Bereich an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die bessere Unterstützung der Berufsschulen sowie die zügige Umsetzung des Digitalpaktes Schule von Bund und Ländern.

Der MINT-Frühjahrsreport 2018 kann hier heruntergeladen werden.

Der Report

MINT-Frühjahrsreport 2018
MINT-Frühjahrsreport 2018

Gutachten für BDA, BDI, MINT Zukunft schaffen und Gesamtmetall vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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