04.06.19

MINT-Frühjahrsreport 2019: MINT-Fachkräftelücke weiter auf hohem Niveau

Die MINT-Fachkräftelücke bleibt auf Rekordniveau – das zeigt der aktuelle MINT-Frühjahrsreport 2019 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die MINT-Fachkräftelücke wird zudem deutlich IT-lastiger: Fast fünf von zehn fehlenden MINT-Arbeitskräften entfallen auf den IT Bereich. Ausländische Fachkräfte spielen eine deutlich zunehmende Rolle bei der Stellenbesetzung.

Die MINT-Lücke wird deutlich IT-lastiger

Den Unternehmen fehlen im April 2019 knapp 311.300 MINT-Arbeitskräfte. Dies ist der zweithöchste Wert für den Monat April seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Die Gesamtzahl offener Stellen liegt dabei bei rund 478.300. Der überwiegende Teil der fehlenden Fachkräfte entfällt dabei auf nicht-akademische Berufe. Fast 70% der fehlenden MINT-Arbeitskräfte entfallen auf Facharbeiter, Meister und Techniker. Dabei nimmt die Bedeutung der IT weiter zu. Innerhalb der letzten vier Jahre hat sich die IT-Fachkräfte-Lücke von knapp 19.000 auf 59.000 Arbeitskräfte mehr als verdreifacht. Hinsichtlich der Binnenstruktur ist die Lücke also deutlich IT-lastiger geworden.

Zuwanderung spielt eine zunehmend wichtigere Rolle

Fast jede fünfte MINT-Fachkraft mit einer akademischen Qualifikation ist zugewandert. Unter den beruflich qualifizierten MINT-Arbeitskräften bereits jeder siebte. Der Anteil der zugewanderten MINT-Arbeitskräfte stieg in den letzten Jahren deutlich an. Zugewanderte MINT-Arbeitskräfte tragen 2017 mit einem Wertschöpfungsbeitrag von 186,1 Mrd. zur deutschen Konjunktur bei.

Ohne diese ausländischen Fachkräfte würde die Lücke um weitere 209.300 höher ausfallen und damit einen Wert von über 500.000 erreichen. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten ist damit über die letzten Jahre deutliche stärker gestiegen als die Zahl der deutschen MINT-Fachkräfte. Dies gilt insbesondere für ausländische Fachkräfte mit einer akademischen Qualifikation. Bei der Gruppe der berufliche qualifizierten war die Entwicklung weniger dynamisch. Umso überfälliger und dringend notwendiger ist daher das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz.

Beschäftigung von MINT-Fachkräften mit Fluchthintergrund nimmt weiter zu

In den kommenden Jahren steigt der demografische Ersatzbedarf stark an, so dass die Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung weiter zunehmen. Um so erfreulicher ist der beständige Aufwuchs der MINT-Beschäftigung von Menschen mit Fluchthintergrund. Die Zahl der MINT-Beschäftigten aus den vier Hauptherkunftsländern Eritrea, Irak, Afghanistan und Syrien wuchs in den letzten sechs Jahren von 2.711 (4. Quartal 2012) auf 27.709 (3. Quartal 2018) und damit um mehr als das Zehnfache. Die gesamte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Personen aus den genannten Ländern stieg um rund das Fünffache. Klar ist: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz muss nun zügig umgesetzt werden. Die deutsche Wirtschaft ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen.

Anteil jungen Menschen mit MINT-Berufsausbildung geht zurück

Die Akademikerquoten im MINT-Bereich entwickeln sich weiter positiv. Rückläufig ist allerdings der Anteil der jungen Menschen mit einer MINT-Qualifikation. In der Gruppe der 30- bis 34-jährigen sinkt der Anteil der Personen mit einer MINT-Berufsausbildung von 22,3 Prozent in 2005 auf 17,4 Prozent in 2016. Bei den 35- bis 39-Jährigen sinkt der Anteil im gleichen Zeitraum von 24,0 auf 18,9 Prozent.

Die Unternehmen treten dieser Entwicklung mit zunehmendem Engagement in der dualen Berufsausbildung entgegen. 2018 wuchs die Zahl der neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge auf 151.800 - ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber 2017. Gleichzeitig wuchs allerdings in den letzten Jahren auch die Differenz zwischen der Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze (11.500) und der Zahl der unversorgten Bewerber (5.500). Eine Stärkung der Berufsorientierung an allen Schulformen, auch an den Gymnasien, ist nötig, um dem MINT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Situation in Berlin-Brandenburg

In Berlin-Brandenburg liegt die Zahl der offenen MINT-Stellen im April 2019 bei rund 25.100. Mit 15.500 Personen (61,8%) entfällt auch hier der überwiegende Teil auf den nicht-akademischen Bereich der Facharbeiter, Meister, und Techniker. 9.600 offene Stellen (38.2%) entfallen auf den akademischen Bereich. Dem gegenüber stehen 14.400 Arbeitslose, davon 9.200 Personen (64%) mit beruflicher sowie 5.200 (36%) mit akademischer Qualifikation. Mithilfe der neuen Instrumente des Teilhabe- und Qualifizierungschancengesetzes muss es gelingen, Unternehmen und Arbeitssuchende zusammen zu bringen, um die Fachkräftelücke in der Region zu schließen.

Der MINT-Frühjahrsreport 2019 kann hier heruntergeladen werden.

Der Report

MINT-Frühjahrsreport 2019

Gutachten für BDA, BDI, MINT Zukunft schaffen und Gesamtmetall vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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