20.11.19Berlin

MINT-Herbstreport 2019: wachsende Engpässe für Unternehmen

Bundesweit 434.600 offene Stellen in MINT-Berufen

Für Innovationskraft, Wachstum und Wohlstand ist es wichtig, dass die MINT-Erwerbstätigkeit in Deutschland zunimmt. Vor diesem Hintergrund ist die steigende Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern um 24,6 Prozent von 2,37 Millionen im Jahr 2011 auf 2,95 Millionen im Jahr 2017 positiv zu bewerten. Besonders hoch waren die Zuwächse unter Frauen (plus 37,3 Prozent), Älteren ab 55 Jahren (plus 46,1 Prozent) und Zuwanderern (plus 62,2 Prozent).

Bei beruflich qualifizierten MINT-Kräften stagniert die MINT-Erwerbstätigkeit hingegen (minus 0,2 Prozent). Deutlich positiv entwickelt hat sich die MINT-Erwerbstätigkeit in der besonders innovativen M+E-Industrie. Dennoch waren im Oktober 2019 bundesweit insgesamt rund 434.600 offene Stellen in MINT-Berufen zu besetzen. Gleichzeitig waren 174.470 Arbeitslose in MINT-Berufen zu verzeichnen, wie das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in seinem aktuellen MINT-Herbstreport „MINT – Basis zur Zukunftssicherung durch Forschung und Digitalisierung“ feststellt.

MINT-Berufsausbildung stärken

Im Unterschied zur positiven Entwicklung bei den Akademikerquoten im MINT-Bereich ist der Anteil der 35- bis 39-jährigen Personen mit einer MINT-Berufsausbildung als höchstem Abschluss von 24,0 Prozent im Jahr 2005 auf 19,1 Prozent im Jahr 2017 gesunken. Bei den 30- bis 34-Jährigen sank der entsprechende Anteil im selben Zeitraum von 22,3 Prozent auf 17,2 Prozent.

Vor allem in den MINT-Ausbildungsberufen wird es in Zukunft darauf ankommen, mehr junge Menschen für diese Berufe zu gewinnen. Wichtig ist daher eine Stärkung der Berufsorientierung an allen Schulformen der Sekundarstufe, um über Einkommens- und Karriereperspektiven der beruflichen Bildungswege zu informieren.

Lücke im IT-Bereich trotzt konjunktureller Abschwächung

Die IT-Lücke beträgt im Oktober 2019 rund 52.100 und liegt damit auf dem zweithöchsten Oktoberwert und deutlich über dem Wert von 2015 mit 20.500. Der Anteil der IT-Lücke an der gesamten MINT-Lücke ist innerhalb eines Jahres von 16,8 Prozent im Oktober 2018 auf 19,8 Prozent im Oktober 2019 gestiegen.

IT-Beschäftigung: Stärken im Süden, Nachholbedarf im Osten

Bei der IT-Beschäftigung zeigt sich eine Kluft zwischen Stadt und Land sowie zwischen Süddeutschland und Ostdeutschland. Neben den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen ist der Anteil der IT-Beschäftigten an allen Beschäftigten besonders hoch in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Auf den hinteren sechs Plätzen befinden sich die fünf ostdeutschen Flächenländer und Schleswig-Holstein.

So lassen sich besonders hohe Beschäftigungszuwächse zwischen dem vierten Quartal 2012 und dem ersten Quartal 2019 vor allem in Berlin (+71,6 Prozent), in Bayern (+41,9 Prozent) und in Baden-Württemberg (+37,0 Prozent) feststellen. In Brandenburg liegt der Zuwachs hingegen bei lediglich 32,9 Prozent und somit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 35,5 Prozent.

IT-Ausbildung: Stärken im Süden und in den Stadtstaaten, Nachholbedarf im Osten

Auch bei der IT-Ausbildung an den Hochschulen zeigt sich ein ähnliches regionales Bild. Gemessen an den Erwerbstätigen ist die Anzahl der IT-Abschlüsse in Bremen, Baden-Württemberg, Berlin, dem Saarland, Hessen und Bayern am höchsten. Auf den hinteren Plätzen liegen neben Niedersachsen vier ostdeutsche Bundesländer.

2017 wurden insgesamt rund 26.000 akademische Abschlüsse im Informatikbereich erzielt. Dies ergibt aktuell eine jährliche Ausbildungsquote von 63 Informatikabschlüsse bezogen auf 100.000 Erwerbstätige. Berlin verzeichnet 88,7 Abschlüsse pro 100.000 Erwerbstätige während in Brandenburg lediglich 31,9 Informatiker ausgebildet wurden. Brandenburg verzeichnet damit den niedrigsten Wert bundesweit.

Situation in Berlin-Brandenburg

In Berlin-Brandenburg ist die Zahl der offenen MINT-Stellen im Oktober 2019 mit rund 22.800 leicht gesunken (April 2019: 25.100). Mit 14.500 Personen (64 Prozent) entfällt der überwiegende Teil auf den nicht-akademischen Bereich der Facharbeiter, Meister, und Techniker. 8.300 offene Stellen (36 Prozent) entfallen auf den akademischen Bereich. Dem gegenüber stehen 14.500 Arbeitslose (April 2019: 14.400), davon 9.100 Personen (63 Prozent) mit beruflicher sowie 5.400 (37 Prozent) mit akademischer Qualifikation.

Berlin und Brandenburg verzeichnen unterschiedliche Erfolge und Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung. So hat Berlin einen geringen Anteil an MINT-Beschäftigten im Alter ab 55 Jahren (18,4 Prozent), während Brandenburg mit einem Anteil von 24,9 Prozent vor großen demografischen Herausforderungen steht und damit bundesweit den höchsten Wert verbucht (Bundesdurchschnitt 19,7 Prozent). Berlin kann zudem Erfolge bei der Zuwanderung vorweisen (Ausländeranteil 13,8 Prozent, gemeinsam mit Baden-Württemberg der höchste Wert).

Der Frauenanteil in den MINT-Berufen hat sich zwischen 2012 und 2019 leicht erhöht (2012: 13,8 Prozent, 2019: 15,1 Prozent). Im Vergleich der Bundesländer liegt der Frauenanteil an allen MINT-Beschäftigten in Berlin am höchsten (20,6 Prozent). Bei den Kreisen liegt Potsdam mit 25,2 Prozent auf Platz zwei hinter Heidelberg (26,2 Prozent).

Der Bedarf an MINT-Fachkräften in der Hauptstadtregion dürfte durch die Ansiedelung einer Gigafactory von Tesla schlagartig wachsen.

Zukunft der Arbeit, MINT, Industrie 4.0, Digitalisierung, digitale Arbeit, Roboter, Mensch-Maschine-Interaktion, KI
MINT-Herbstreport 2019

Gutachten für BDA, BDI, MINT Zukunft schaffen und Gesamtmetall

Ihre Ansprechpartnerin zum Thema MINT-Förderung

Sophia Madeleine Seidl
Schul- und Hochschulpolitik
Sophia Madeleine
Seidl
Telefon:
+49 30 31005-126
Telefax:
+49 30 31005-240
E-Mail:
Seidl [at] vme-net.de