19.08.19

Weit gekommen.

Früher Geflüchteter, heute auf dem Weg zur Fachkraft – in der M+E-Industrie funktioniert das. Der VME leistet Starthilfe.

Yousef Suleman, 26, hat einen weiten Weg hinter sich. 2014 ist er aus Syrien über Libyen und Italien nach Deutschland geflüchtet, im Boot und mit dem Auto, wie so viele. Jetzt ist er angekommen. Beim Metall-Un­ternehmen Gerb Schwingungsisolierungen in Berlin lernt er den Beruf des Konstruktionsmechanikers. Bald steht die Prüfung an. „Deutschland hat mir viel gege­ben“, sagt er. „Ich verdiene gut, habe eine Wohnung, bin in Sicherheit. Was will ich mehr?“

Oft war der Weg steinig – die fremde Sprache, die Kul­tur, die anderen Sitten. Mohammed-Rabea Altahan, 27, kann das nachfühlen. Auch er stammt aus Syrien. „Zu Beginn meiner Ausbildung bin ich manchmal zu spät gekommen“, erinnert er sich. „Das fand der Ausbildungsleiter nicht so gut.“ Heute weiß Altahan, was die Leute von Mercedes-Benz in Ludwigsfelde von ihm erwarten, wo er seit 2017 lernt: Ein angehender Industriemechaniker muss pünktlich sein.

Dass Suleman und Altahan den Sprung in eine Aus­bildung geschafft haben, hat auch damit zu tun, dass sie zum Auftakt ein längeres Praktikum bei ihrem je­weiligen Arbeitgeber absolviert haben. Betrieb und Bewerber konnten sich während dieser Einstiegsqualifizierung sechs Monate lang beschnuppern. „M+E Starter“ heißt das Programm, das der Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME) 2016 ins Leben gerufen hat. Drei Jahre nach dem Beginn kann sich die Bilanz sehen lassen. 79 jun­ge Männer und Frauen haben das „Starter“-Programm in einem der VME-Betriebe abgeschlossen. 62 haben anschließend eine Ausbildung in einem der mehr als 50 Metall- und Elektroberufe angetreten. Die meis­ten übrigen haben sich für ein Studium entschieden. Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres im Herbst werden noch einmal 36 Einsteiger hinzukommen.

„Wir sind froh über jeden jungen Menschen, der das Zeug zur qualifizierten Fachkraft hat“, sagt VME-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. „Mit ,M+E-Starter‘ unterstützen wir die Unternehmen bei ihrer Personalplanung. Zugleich helfen wir bei der Integration – Arbeit und Ausbildung sind hier die wichtigsten Hebel.“ Der VME beteiligt sich zum einen bei der Auswahl der jungen Leute. Zum anderen zahlt er die Hälfte der Vergütung während der Einstiegsqualifizierung. Die andere Hälfte übernimmt die Bundesagentur für Arbeit.

Die Zeiten, in denen Bewerber für eine Lehrstelle in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie Schlange standen, sind passé. Deshalb schätzen die Unternehmen Programme wie „M+E-Starter“. In allen Branchen der Hauptstadtregion haben seit 2015 rund 2.000 geflüchtete Männer und Frauen den Sprung in eine Berufsausbildung geschafft. Ohne die Bewerber aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern – das sind Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien – wäre die Situation auf dem Ausbildungsmarkt noch schwieriger gewesen.

Im Durchschnitt aller Branchen bekommt im Augenblick allerdings nur jeder dritte Bewerber mit Flucht-Hintergrund eine Zusage. Oft sind unzureichende Deutschkenntnisse das Problem. Firmen und Politik arbeiten daran, Abhilfe zu schaffen – mit Sprach- und Integrationskursen oder Beratungen für Geflüchtete. Auch für Unternehmen, die Geflüchtete einstellen wollen, gibt es Hilfestellung.

Wer es erst einmal in einen Betrieb geschafft hat, will sich dort auch beweisen. So wie Alaa Ismail, 20. Seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker bei Tornado Antriebstechnik in Berlin steht kurz vor dem Abschluss. Der Mann aus dem Libanon, seit 2012 in Deutschland, war einer der ersten Teilnehmer im „M+E-Starter“-Programm. „Ich wollte unbedingt eine Ausbildung machen“, erinnert er sich. „Es war gar nicht so schwer. Wenn man sich gut vorbereitet, schafft man es.“ Tornado jedenfalls würde Ismail gerne übernehmen. Kai Wagenhaus, technischer Leiter bei Tornado, sagt: „Unser Integrationsprojekt ist vollauf gelungen.“

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