Betriebsbegegnungen: Wo der Funke überspringt. Ein Jahr „Berlin braucht dich!“ in der Metall- und Elektroindustrie
In Berlin haben 43 Prozent der unter Sechzehnjährigen einen Migrationshintergrund. Ihr Interesse für die M+E-Berufswelt soll geweckt und kontinuierlich gestärkt werden. © Fotolia 2016 / highwaystarz
Attraktive Berufsausbildung und gute Facharbeit sind der Schlüssel für die Zukunft des Industriestandorts Berlin. Darüber waren sich der Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME) und die IG Metall Berlin einig. Vor einem Jahr haben sie daher mit der Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, vereinbart, Berlin braucht dich! auf die Metall- und Elektroindustrie (M&E) zu übertragen. Ziel ist es, die Fachkräftesicherung mit integrationspolitischen Zielen zu verbinden.
Probelauf macht Mut für mehr!
Nach einem Jahr umfangreicher Erprobungen in zehn Betrieben (Siemens, OSRAM, BMW, ABB, KST Kraftwerks- und Spezialteile, MAN Diesel & Turbo, PUK-Werke, ZF-Lenksysteme GmbH (Berlin) sowie Mercedes Benz Marienfelde und Ludwigsfelde) kann eine positive Bilanz gezogen werden. Während der Pilotphase im Schuljahr 2013/2014 haben die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie über 620 Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit gegeben, Einblick in die Praxis gewerblich-technischer Ausbildungsberufe zu erlangen.
Arbeitssenatorin Dilek Kolat betonte: „Viele junge Leute mit Migrationshintergrund sind bisher in der Ausbildung zu wenig zum Zuge gekommen, auch wenn sie durchaus das Zeug dafür haben. Ihnen wird mit der Ausbildung und Fachtätigkeit in der Metall- und Elektroindustrie eine Option eröffnet, die sich lohnt und realistisch ist. In Berlin haben 43 Prozent der unter Sechzehnjährigen einen Migrationshintergrund. Ihr Interesse soll geweckt und kontinuierlich gestärkt werden. Zu diesem Zweck müsse der Lernort Betrieb für die Berufsorientierung aufgewertet werden, weil es vor allem das konkrete Erleben der Betriebswirklichkeit ist, das die Distanz auf beiden Seiten überwinden hilft. Ich freue mich sehr darüber, dass die Metall- und Elektroindustrie unser erfolgreiches Programm Berlin braucht dich! übernommen hat und nun auch in ihrer Branche eine neue Erfolgsgeschichte mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund schreiben kann.“
Pionierarbeit für systematische Berufsorientierung
VME-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck: „Die Kooperation mit Berlin braucht dich! war ein notwendiger und wichtiger Schritt, die Berufsorientierung für die Metall- und Elektroindustrie auf ein neues Fundament zu stellen. Nach einem Jahr hat sich gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, das zukunftsweisende vierstufige Konzept der Berufsorientierung auf die Metall- und Elektroindustrie zu übertragen. Gemeinsam mit unseren Unternehmen leisten wir damit Pionierarbeit für systematische und innovative Berufsorientierung in der Privatwirtschaft. Deshalb sind wir sehr daran interessiert, dass dieses erfolgreiche Konzept Eingang findet in das Berliner Landeskonzept zur Berufs- und Studienorientierung, das derzeit erarbeitet wird.“
Berlin braucht dich! – ein kluger Zusammenschluss
Arno Hager, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin: „Bislang gab es Kooperationen zwischen einem Betrieb und einer Schule, nun schließen sich 46 Betriebe mit 32 Schulen zusammen.“ Die Besonderheit dieses Projekts bestehe für ihn darin, dass BQN das Programm aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler aufgesetzt hat. „Sie haben es geschafft, die Bedürfnisse wirklich zu erfassen und in ein effektives Programm zu überführen.“ Die Schüler/innen seien nach ihren Praktikumserfahrungen stolz auf das, was sie erlebt haben. Er hält dies für eine gut durchdachte und logische Schlussfolgerung. Denn: „Wenn Schüler/innen und Schulen davon profitieren, dann profitiert auch die Metall- und Elektroindustrie.“
Was ist Berlin braucht dich!?
Berlin braucht dich! motiviert Schüler/innen mit Migrationshintergrund, eine betriebliche Berufsausbildung im Öffentlichen Dienst, bei den Betrieben mit Landesbeteiligung und in der Metall- und Elektroindustrie für sich in Betracht zu ziehen. Eine Abfolge auf einander aufbauender Praktika in den Klassen 7-10 ermöglicht den Jugendlichen einen systematischen Kompetenzaufbau für die Berufswahl durch Erkundung von Betrieben – eine Welt, die vielen von ihnen fern ist. Diese Betriebsbegegnungen werden in enger Zusammenarbeit mit Schulen vor- und nachbereitet. Auf diese Weise setzen sich Jugendliche intensiv mit ihren Stärken und Interessen auseinander und ihre Berufswahlentscheidung wird fundierter. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, dass sie sich in den Betrieben willkommen fühlen. An Berlin braucht dich! sind 46 Betriebe und 32 Schulen beteiligt. Im Öffentlichen Dienst und bei den Berliner Landesbetrieben stieg der Anteil von Auszubildenden mit Migrationshintergrund inzwischen auf über 20 Prozent.
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Ansprechpartner für Rückfragen:
Rachida Rami, BQN Berlin rr@bqn-berlin.de
Disclaimer
Der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg e. V. (VME) vertritt die Interessen der größten Industriebranche der Region. Er ist regionaler Tarifpartner der Branchengewerkschaften der M+E-Industrie. Daneben setzt er sich für die Belange seiner Unternehmen in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Sozialpolitik ein. Dem VME gehören 138 Unternehmen an. Auf Bundesebene ist der VME mit anderen regionalen Metallarbeitgeberverbänden im Dachverband GESAMTMETALL zusammengeschlossen. Der VME ist der größte Mitgliedsverband der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB).