12.04.16Berlin

Vom Flüchtling zur Fachkraft

Mit dem Programm "ME-Starter" hilft der VME bei der Integration
Metall im Detail: Tornado-Geschäftsführer Norbert Mensing (links) ist zufrieden mit Praktikant Alaa Ismail.

Alaa Ismail hat es geschafft. Jeden Morgen schlüpft er in die Arbeitskleidung mit dem Firmenlogo, jeden Tag lernt er im Betrieb etwas hinzu, jeden Monat fließt ein kleiner Betrag auf sein Konto. „Die Arbeit ist spannend, das gefällt mir“, sagt der 17-Jährige. Demnächst kann er regulärer Auszubildender werden – mit der Aussicht auf eine Karriere als Facharbeiter.

Das war für ihn vor ein paar Monaten noch sehr weit weg. Da lebte Ismail im Libanon, seiner Heimat, und sah einer ungewissen Zukunft entgegen. Heute ist er Praktikant beim Maschinenbauer Tornado Antriebstechnik in Berlin-Tegel. Sein Chef ist zufrieden mit ihm. „Ich kann mir Herrn Ismail gut als Industriemechaniker oder Zerspanungsmechaniker bei uns vorstellen“, sagt Norbert Mensing, der Geschäftsführer. „Er ist motiviert, schnell im Kopf und spricht erstaunlich gut Deutsch.“ Von einer Perspektive, wie sie Ismail hat, träumen viele der Menschen, die in den vergangenen Monaten als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Viele sind noch jung und ohne eine Berufsausbildung nach deutschem Muster. Die Unternehmen reagieren darauf und engagieren sich – auch die Metall- und Elektroindustrie.

Im Rahmen des neuen Projekts „ME Starter“ unterstützt der VME Betriebe, die junge Menschen mit einer Einstiegsqualizierung auf eine betriebliche Ausbildung vorbereiten wollen. Für 100 dieser Plätze übernimmt der Verband ein halbes Jahr lang die monatliche Vergütung von 250 Euro. Bis zu 216 Euro bekommen die Nachwuchskräfte außerdem von der Arbeitsagentur. Der Verband hilft den Unternehmen auch bei der Auswahl geeigneter Kandidaten und bei der Zusammenarbeit mit der Berufsschule. „Die Integration der vielen tausend Flüchtlinge wird ein Kraftakt für die gesamte Gesellschaft. Wir als Metall- und Elektroindustrie stehen zu unserer Verantwortung und unterstützen dieses Vorhaben“, sagt VME-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. „Zudem bringen viele Geüchtete durchaus berufliches Potenzial mit. Das können wir nutzen.“

Mit der IG Metall hat der Verband vereinbart, den Tarifvertrag Förderjahr für junge Migranten zu öffnen. Bisher sah er eine intensive Unterstützung nur für deutsche Jugendliche vor, die mit Nachteilen ins Berufsleben starten. Während des Praktikums lernen die Neuen die Abläufe und Gepflogenheiten in einem Betrieb kennen und vor allem die Anforderungen, die ein neuer Beruf stellt. Umgekehrt testen die Unternehmen, welches Potenzial die Geflüchteten mitbringen und wo sie noch nachhelfen müssen. Nach sechs oder zwölf Monaten beginnt dann die reguläre duale Ausbildung. Die Voraussetzung ist, dass ein Geflüchteter eine Bleibeperspektive hat und rasch Deutsch lernt.

Tornado-Chef Mensing ist froh, bei der Integration helfen zu können. Aber noch aus einem anderen Grund begrüßt er den Start von „ME Starter“. „Ausbildungsfähige junge Menschen zu finden, ist schwierig geworden“, berichtet er. „Da konnte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen.“ Neben Tornado bietet eine Reihe weiterer M+E-Unternehmen aus der Hauptstadtregion Plätze für Einstiegsqualizierungen an. Siemens, der Maschinenbauer Gerb Schwingungsisolierungen, der Anlagenkonzern ABB, der Energie-Zulieferer KST Turbine Components sowie der Werkzeughersteller Robert Stock beschäftigen seit Anfang März bislang insgesamt 24 junge Menschen.

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