Die Industrie braucht Kohle
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„Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geforderte zusätzliche Abgabe für ältere Kohlekraftwerke würde nicht nur die Branche in die Krise stürzen. Direkt und indirekt hängen 25.000 Arbeitsplätze an der Braunkohle. Im Bergbau, in den Kraftwerken und bei den Zulieferern gäbe es plötzlich keine Perspektive mehr. Die gesamte Region würde einen Strukturbruch erleiden. Und die Braunkohle ist für die Lausitz mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor. Sie steht für Unabhängigkeit und Dynamik“, schreibt UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck in einem Gastbeitrag in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom Sonnabend.
Gastbeitrag für die „Märkische Allgemeine Zeitung“
Als 1789 bei Bockwitz zum ersten Mal ein Braunkohleflöz angebohrt wurde, ahnten die Menschen in Südbrandenburg noch nicht, wie sich ihr Leben und ihre Region alsbald ändern würden. Zunächst genügten Hacken und Schubkarren, um den dicht unter der Erde liegenden Rohstoff abzubauen. Später entstanden tiefere Gruben, die Industrialisierung brachte Brikettfabriken, den Maschinenbau und schließlich Kraftwerke mit sich – und natürlich Wohlstand.
Heute, gut 200 Jahre später, könnte es damit schlagartig zu Ende gehen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will ältere Kohlekraftwerke ab 2017 eine zusätzliche Abgabe zahlen lassen. Damit soll der Kohlendioxid-Ausstoß Deutschlands, der in den vergangenen Jahren bereits deutlich zurückgegangen ist, noch weiter sinken. Würde der Plan umgesetzt, hätte das gravierende Folgen für die Lausitz. Schon 2017 würde die Energieerzeugung halbiert, wenige Jahre später komplett stillgelegt.
Das würde nicht nur die Branche in die Krise stürzen. Direkt und indirekt hängen 25.000 Arbeitsplätze an der Braunkohle. Im Bergbau, in den Kraftwerken und bei den Zulieferern gäbe es plötzlich keine Perspektive mehr. Die gesamte Region würde einen Strukturbruch erleiden. Und die Braunkohle ist für die Lausitz mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor. Sie steht für Unabhängigkeit und Dynamik.
Daher ist es gut, wenn an diesem Sonnabend die Beschäftigten in Berlin gegen dieses Vorhaben demonstrieren. Sie fürchten zu Recht, dass der Klimaschutz allein zu ihren Lasten geht.
Obendrein verfehlt Sigmar Gabriel mit dem Vorhaben sein zentrales Ziel, mehr Klimaschutz. Müssten die Kraftwerke in der Lausitz vom Netz, würden Emissionsrechte frei – die andere Kraftwerke nutzen könnten. Folge: Der Strom käme künftig nicht mehr aus Boxberg oder Jänschwalde, sondern aus Kohlemeilern in Polen. Für das Klima wäre damit nichts gewonnen.
Zudem dürfen wir die Braunkohle nicht isoliert betrachten. Für das Gelingen der Energiewende spielt sie als Brückentechnologie eine wichtige Rolle. Je mehr erneuerbare Energie wir einsetzen, desto besser müssen wir gewappnet sein für Tage, an denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Wir können die Stromversorgung nur schrittweise umstellen, nicht im Hau-Ruck-Verfahren. Die Braunkohle ist die verlässliche Säule im Strommix - der einzige heimische Energieträger, der ohne Subventionen auskommt und den geopolitische Unsicherheiten nicht berühren.
Dieses Pfund sollten wir nicht aus der Hand geben. So wichtig der Klimaschutz ist, er darf nicht auf Kosten der industriellen Basis gehen. Heute garantiert die Braunkohle den Unternehmen sicheren, bezahlbaren Strom. Damit das so bleibt, brauchen wir eine energiepolitische Gesamtstrategie, die nicht zu Lasten der Industrie geht. Sie allein wegen übertrieben ehrgeiziger nationaler Klimaschutz-Ziele zu schwächen hieße, falsche Prioritäten zu setzen.