Exzellenz, die Türen sichert
Eine starke Idee trägt Unternehmen. Manchmal über Jahrhunderte. Der Profilzylinder für Türschlösser ist so ein Fall. 1924 von dem Ingenieur Sylvester Wöhrle erfunden, machte die Zeiss Ikon AG aus dem Patent kurze Zeit später den Goldstandard: die weltweit gebräuchlichste Form eines Sicherheits-Türschlosses mit einer einheitlichen Form und Größe, die zur DIN-Norm wird. Dank des Wechselzylinder-Prinzips können sie leicht ausgetauscht werden und machen große Wohnbauprojekte, Industrieanlagen, Behörden oder Krankenhäuser sicherer. Ab 1927 fertigt Zeiss Ikon die in hohem Maße vor Fälschung geschützten Profilzylinder im Zehlendorfer Goerzwerk.
2005 wird die ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH mit Sitz in Deutschland gegründet, die das Geschäft übernimmt. Die Firma gehört zur schwedischen ASSA ABLOY-Gruppe mit 63.000 Mitarbeitenden in mehr als 70 Ländern. In Zehlendorf laufen die berühmten Schließzylinder weiter vom Band – inzwischen unter dem Markennamen IKON und in der modernen Produktionshalle, die ASSA ABLOY 2012 direkt neben dem alten Goerzwerk in Betrieb genommen hat.
Zur großen IKON-Produktpalette gehören neben dem traditionellen mechanischen auch elektromechanische Schließzylinder, Zusatzschlösser und -sicherungen für Fenster und Türen, Türbeschläge, Tresore oder das intelligente eCLIQ-System für kleine, mittlere und sehr Schließanlagen mit zigtausend Zylindern. Die Schlüssel lassen sich über eine internetbasierte Software programmieren, mit individuellen Zugangsrechten belegen und bei Verlust sperren. Die nahezu wartungsfreien Schließzylinder des Systems protokollieren bis zu 750 Schließvorgänge.
Neues Werk auf altem Grund: Seit fast 100 Jahren werden auf dem Gelände des Goerzwerks in Berlin-Zehlendorf Profilzylinder für Türschlösser gefertigt. 2012 wanderte die Produktion in eine moderne Fertigungshalle. © ASSA ABLOY
Die ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH bietet Sicherheitslösungen für alle Gebäudearten und Branchen: für Industrie, Kritische Infrastruktur, Krankenhäuser, Wohnungswirtschaft, Bildungseinrichtungen,Verwaltungsgebäude oder Schlüsseldienste. Der Standort Berlin beliefert rund 7.500 Kunden weltweit mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. „Unsere Produkte zeichnen sich durch eine hohe Komplexität und Variantenvielfalt aus“, erklärt Dr. Timo Spiegel (43), Head of Operations am Standort Berlin. „Erst wenn der Kunde bestellt, wissen wir, was wir produzieren sollen. Unsere Ambition ist es, besonders schnell zu sein und die Kundenbedürfnisse voll zu erfüllen.“
Maßgeschneidert in zweieinhalb Tagen
Dabei hilft eine strategische Neuausrichtung, die das Unternehmen vor etwa zwölf Jahren vorgenommen hat. Der Standort Berlin wird zum Konfigurator, der maßgeschneiderte Lösungen für individuelle Kundenwünsche liefert. Andere Standorte übernehmen das Manufacturing, produzieren Rohlinge und Basiskomponenten. Zum Beispiel ein Schwesterunternehmen im tschechischen Rychnov. „Sobald der Bestand an Rohschlüsseln in Berlin leerläuft, starten unsere ERP-Systeme ein komplett durchdigitalisiertes Automatic Ordering und in Rychnov läuft die Fertigung an“, erklärt Dr. Spiegel. Ein Lkw pendelt täglich zwischen den beiden Werken.
Experte für perfektes Timing: Dr. Timo Spiegel leitet das Berliner Werk. An der TU Berlin hat er über „Technologieorientiertes Service Engineering in der Kontraktlogistik“ promoviert. © VME 2025
Neben der Neupositionierung helfen auch Digitalisierung und Prozessoptimierung, die Komplexität zu beherrschen. Dreh- und Angelpunkt ist ein Kundenportal, über das gewerbliche Kunden ihre Bestellungen managen, Produkte und Preise einsehen oder Tutorials buchen können. Mit jeder eingehenden Bestellung werden sofort automatisiert Stücklisten, Arbeitspläne und Liefertermine generiert. Im Hintergrund prüft das System, ob die Komponenten vorhanden sind, bestellt bei Bedarf nach, ermittelt die Fertigungsdauer. Der Kunde erhält automatisiert eine Bestätigung des Liefertermins. Dann bekommen die Maschinen ihre Auftragsdaten. Nach durchschnittlich zweieinhalb Tagen ist die Produktion abgeschlossen.
„In Berlin treiben wir die Digitalisierung der Schließzylinder innerhalb der Unternehmensgruppe voran. Auch bei der Gestaltung der Produktionsprozesse setzen wir Trends, die bei Schwesterunternehmen im Konzern genutzt werden“, erklärt Dr. Spiegel. Papier gibt es in der Fertigung kaum noch. Alle Arbeitsplätze verfügen über Bildschirme. Die Mitarbeitenden informieren sich anhand von Fotos oder Videos, wie komplizierte Montagen funktionieren. Orientierung bieten dynamische E-Labels, die das Unternehmen seit 2023 einsetzt. Jeder Auftragsbehälter, der durch die Fertigung läuft, ist mit einem solchen digitalen Etikett versehen. Mit jedem Arbeitsgang erneuert sich das Label. So lässt sich der Auftragsstatus schnell ablesen.
Clever & smart: eCLIQ kombiniert flexible, moderne Schließtechnik für eine sehr hohe physische und digitale Sicherheit. © ASSA ABLOY
Doch Digitalisierung und Automatisation haben Grenzen. „Wegen der Variantenvielfalt und Kleinteiligkeit unserer Produkte müssen wir viele Montagen manuell ausführen. Da kommt kein Roboter an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dran“, sagt Dr. Spiegel. Wenn es bei der ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH um Sicherheit geht, ist daher auch die Gesundheit der Mitarbeitenden gemeint. „Als Arbeitgeber müssen wir darauf achten, dass wir unsere Mitarbeitenden gut unterstützen, auch ergonomisch. Wir möchten sicherstellen, dass sie ihre Stärken auch mit fortschreitendem Alter nutzen und ihre Aufgaben effizient erledigen können.“ Besonders stolz ist Dr. Spiegel auf die erfahrene und treue Belegschaft: „Die lange Betriebszugehörigkeit zeigt, dass unsere Mitarbeitenden zufrieden sind.“
Auch wirtschaftlich läuft es gut. „Wir haben uns ein Stück weit von der schwierigen Wirtschaftslage entkoppelt und in den letzten Jahren durchgängig eine grandiose Geschäftsentwicklung erlebt“, freut sich Dr. Spiegel. Es spricht viel dafür, dass die ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH die kommenden Jahre mit viel Zuversicht angehen kann.