23.03.18

Kleiner Computer, große Wirkung

Der Calliope mini gilt als Revolution. Mit ihm erkunden Kinder die digitale Welt.

Er ist blau, hat sechs Ecken und passt in jede Kinderhand – der Minicomputer „Calliope“. Er soll die Schulbildung revolutionieren. Produziert wird er bei Schleicher Electronic in Berlin-Schöneberg. Die Idee zu dem Minirechner entstand im Beirat für junge digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums. Schließlich kann Deutschland nur vom digitalen Fortschritt profitieren, wenn es genügend Talente gibt. Deren Ausbildung muss schon in der Schule beginnen.

So gründete Beiratsmitglied Stephan Noller zusammen mit fünf Gleichgesinnten die gemeinnützige Calliope gGmbH und entwickelte einen Prototypen. „Der Calliope mini ist ein kleines Board mit großer Wirkung“, erklärt Mitgründer Klaus Buss. „Er zeigt, dass jeder programmieren kann – und das mit viel Spaß." Durch die Kooperation mit Schleicher kann der Minirechner zudem günstig vom Band laufen. Deutschlandweit sind bereits 15.000 Stück im Einsatz.

Dass es zu der Zusammenarbeit kam, liegt vor allem an Sizzl. Das steht für Schleicher Incubator Zoom Zone Labs. Mit Sizzl, 2014 gegründet, knüpft Schleicher die Verbindung vom mittelständischen Automatisierungs-Anbieter zu Berlins Startup-Szene. „Derzeit liegt der Fokus der Investoren eher auf Software-Startups“, erläutert Florian Feddeck, einer der Sizzl-Väter.

„Es gibt jedoch zahlreiche Hardware-Startups, die ein super Produkt haben und ebenfalls Unterstützung benötigen. Dieses Potenzial haben wir erkannt und Sizzl gegründet. Mit unserem Know-how in der Industrie wissen wir, worauf es bei der Entwicklung eines Produktes ankommt.“ Dieses Wissen will Schleicher an die Startups weitergeben.

Calliope mini, Schülerinnen, Mini-Computer

Kinderleicht: Mit dem Calliope mini sollen Schüler erste Schritte in die Welt des Programmierens machen. Allein in Berlin setzen ihn 100 Schulen ein. Schleicher Electronic, wo der Calliope
gefertigt wird, gewinnt zugleich wertvolle Einblicke in die Welt der Startups. © Calliope gGmbH

Je nach Entwicklungsphase können junge Firmen bei Sizzl unter verschiedenen Service-Paketen wählen. Geplant ist zudem ein Accelerator-Programm für Hardware-Startups mit industriellen oder industrienahen Produkten. Das Programm hat auch Calliope und Schleicher zusammengebracht. Schleicher ermöglicht dem Startup die Produktion vor Ort – kurze Wege und rasche Absprachen sind so möglich. Zudem darf der Calliope das Siegel „Made in Germany“ tragen.

Von Berlin aus soll der Calliope mini, benannt nach der griechischen Muse der Wissenschaft, nun die Schulen erobern. In fast allen Bundesländern laufen bereits Pilotprojekte. Auch rund 100 Berliner Schulen bekommen die Geräte. Die Platine mit einem Display aus 25 LEDs kann nicht nur in der Informatik, sondern auch in anderen Fächern eingesetzt werden – als Schrittzähler im Sport, als Feuchtigkeitsmesser in der Biologie oder als Farbsensor im Kunstunterricht.

Brigitte Zypries, Besuch, Schleicher Electronic

Ende 2017 hat sich die damalige Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (3. v. re) von den Machern von Sizzl und Calliope zeigen lassen, wie der Kleinstcomputer produziert wird. © Schleicher Electronic Berlin GmbH

Damit es noch mehr Erfolgsprojekte folgen, investiert Schleicher weiter in seinen Inkubator Sizzl. Vor allem mit Know-how: Man wolle lange und vertrauensvoll mit den jungen Firmen arbeiten, sagt Feddeck. „Dafür bieten wir Produktionsexpertise und Räumlichkeiten an unserem Standort in Berlin-Schöneberg.“ Derzeit beherbergt Schleicher fünf Hardware-Startups.

Das Angebot soll weiter wachsen. Denn auch der Mittelständler sieht in der Kooperation große Vorteile. „Der große Pluspunkt für uns und die jungen Firmen liegt in der räumlichen Nähe. Beispielsweise können sich die Startups während der Kaffeepause direkt mit unseren Entwicklern austauschen. Das Positive hierbei ist: Die dynamischen Startups bringen neue Denkanstöße in festgefahrene Strukturen, die mit der Zeit in jedem mittelständischen Unternehmen entstehen.“

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Carsten Brönstrup
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