Podiumsdiskussion: Wie digital ist unsere Schule?
Um die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser schulisches Bildungssystem ging es auf der "Zur Sache!"-Podiumsdiskussion im Haus der Wirtschaft am 31. Mai 2016. Erste Lösungsansätze für den Einzug digitaler Lern- und Lehrangebote in den Schulalltag präsentierten EdTechs im Rahmen eines Pitches und einer Ausstellung.
Auf dem Podium (v.l.n.r.): Prof. Dr. Christoph Meinel (wiss. Direktor und Geschäftsführer des Hasso-Plattner-Instituts), Kay Hansen (Projektleiter eGovernmen@school bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft), Carsten Brönstrup (Pressesprecher und Leiter Kommunikation bei der UVB), Ulrike Fraikin (Lehrerin am Gebrüder-Montgolfier-Gymnasium), Dr. Thorsten Krüger (stellvertretender Schulleiter am Rückert-Gymnasium), Stefan Appelhans (Geschäftsführer und Mitgründer von MeinUnterricht.de) © UVB 2016 / Florian Bolk
Stefan Appelhans wies auf die wesentliche Bedeutung der Lehrkräfte im Digitalisierungsprozess hin. Sie seien die Schlüsselpersonen im Klassenraum. Jedoch gäbe es auch hier Grenzen. "Viele Lehrkräfte sind zwar motiviert, scheitern jedoch an der Technik. Wenn beispielsweise ein Video aufgrund nicht vorhandener Software im Unterricht nicht läuft, greifen Sie doch wieder auf den altbewährten Ausdruck zurück und versuchen es kein zweites Mal. Wenn wir in Deutschland nicht den Anschluss verlieren wollen, muss die digitale Infrastruktur der Schulen großflächig instand gesetzt werden", forderte Appelhans. © UVB 2016 / Florian Bolk
Das bestätigte auch Dr. Krüger vom Rückert-Gymnasium: "Es gab bisher immer nur Teillösungen, jedoch bedarf es eines großen Wurfs, wenn die Digitalisierung an Schulen voranschreiten soll. Allerdings stellt sich dann auch die Frage nach der Finanzierung. Schulen und Schulleitungen müssen den Lehrern verlässliche und vor allem einheitliche Systeme bieten, mit denen im Unterricht gearbeitet werden kann." © UVB 2016 / Florian Bolk
Ulrike Fraikin vom Gebrüder-Montgolfier-Gymnasium betonte zudem die besondere Bedeutung der Lehrkräfte: "Trotz aller digitaler Unterstützung ist die Lehrkraft auch in Zukunft nicht wegzudenken. Die soziale Komponente ist beim Lernen unglaublich wichtig. Schüler brauchen Betreuung, denn nicht alle sind computeraffin. Wir dürfen deshalb nicht nur auf digitale Medien setzen, sondern auf die Kombination aus beidem." © UVB 2016 / Florian Bolk
Dr. Krüger sah die Aufgabe der Lehrkräfte vor allem darin, den Schülern die Kompetenz zum guten Umgang mit Medien zu vermitteln. Demnach müssten Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, sich selbst die richtigen Hilfsmittel zu suchen, mit denen dann wiederum bestimmte Lerninhalte verinnerlicht werden können. Es ginge vor allem um eine Sensibilisierung für die Vorteile aber auch Risiken digitaler Hilfsmittel. "Entscheidungskompetenz" sei hier das Stichwort. © UVB 2016 / Florian Bolk
Auch im Publikum wurde viel mit diskutiert. So verwies Martin Stöckmann von der Siemens AG auf die zentrale Bedeutung digitaler Kompetenzen für die Aus- und Weiterbildung. Um in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich bestehen zu können, müssten Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Medien beherrschen und vor allem deren Funktionsweise verstehen. Denn nahezu jede Maschine in der Produktion wird heute oder in Zukunft über ein digitales Endgerät bedient. © UVB 2016 / Florian Bolk
Prof. Meinel ging gleich einen Schritt weiter und forderte die Abschaffung der Rechner in den Schulen zugunsten einer zentralen Cloud-Lösung: " Rechner verhindern, dass digitale Inhalte richtig genutzt werden. Grund dafür ist die schlechte Wartung. Oft fehlt es in den Schulen an qualifizierten Administratoren, die dafür Sprgen, dass die digitale Infrastruktur immer den neuesten Standards entspricht. Hier wäre eine Cloud-Lösung mit zentraler Administration der bessere Weg." © UVB 2016 / Florian Bolk
Lars Neumann, stellvertretender Direktor der Walter-Gropius-Schule in Berlin, warf nochmal die Frage nach der eigentlichen Definition digitaler Bildung auf? Ginge es um den Computer oder die Software als Methode, handele es sich um ein bestimmtes Lehrfach oder ginge es um Kernkompetenzen wie die Problemlösungskompetenz? Die Ausstattung der Schulen sei nicht das vorrangige Thema, denn digitale Bildung könne auch ohne große Ausstattung durchgeführt werden. Wichtig sei, die Schüler dazu zu befähigen, sich die Techniken und Hintergründe digitaler Medien im späteren Arbeitsleben schnell erschließen zu können. © UVB 2016 / Florian Bolk
So ganz ohne Infrastruktur geht es laut Appelhans aber dann doch nicht. So scheitere Deutschland vor allem im ländlichen Raum an fehlenden Breitbandverbindungen und Schulausstattungen. In den USA beispielsweise sei flächendeckend für die notwendige Infrastruktur gesorgt. Auf dieser Basis könnten dann Startups helfen, die passenden Anwendungen zur Bereicherung des Unterrichts und zur Entlastung der Lehrkräfte zu entwickeln. © UVB 2016 / Florian Bolk
Sebastian Schädler, Lehrbeauftragter an der evangelischen Hochschule Berlin und E-Learning-Beauftragter, sah auch in den Universitäten einen wichtigen Akteur: "Die Universitäten haben den Zug verschlafen. Bei der Ausbildung der späteren Lehrkräfte kommt die Medienkompetenz viel zu kurz. Sie steht nicht mal im Lehrplan. Der Berufsstand des Professors wird immer noch für Forschung belohnt, aber nicht für Didaktik. Das ist eine hochschulpolitische Steuerungsfrage. Der Berufsstand muss sich ändern, so dass auch künftige Lehrergenerationen mit einem anderen Verständnis an das Thema digitale Bildung herangehen." © UVB 2016 / Florian Bolk
Die innovative Mathematik-Lernplattform www.bettermarks.com hilft Jugendlichen mit über 100 interaktiven Mathe-Lehrbüchern und mehr als 100.000 Rechenaufgaben mit Lösungswegen mathematische Fragestellungen der Klassenstufen 4-10 zu verstehen. Zudem können Lehrer die Aufgaben für den Unterricht nutzen und dabei stets den Überblick über die Leistungen und Aktivitäten ihrer Schüler behalten. © UVB 2016 / Florian Bolk
Das Bildungsnetzwerk www.scolibri.com ist eine Plattform zur Organisation und Kommunikation im Schulalltag. Hier können Informationen wie Hausaufgaben, Stundenpläne und Unterrichtsmaterialien bereitgestellt, Lerngruppen gebildet oder auch Diskussionen aus dem Unterricht fortgeführt werden. "streba" setzt diese erfolgreichen Prinzipien nun in einer reinen Schüler-Lösung um. © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Plattform www.emoree.de ist eine cloud-basierte, mobile Anwendung zum Schnell-Lesen lernen. In 10 Modulen soll die Lesegeschwindigkeit der Weiterbildungsteilnehmer um 300 % und die Merkfähigkeit um 100 % gesteigert werden. Dabei integriert die Lerntechnik auch Entspannungsmethoden zum Abbau von Stress, Frustration und Lese-Ängsten. © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Online-Lernplattform www.sofatutor.com veranschaulicht auf vielfältige Weise Lerninhalte ab der ersten Klassenstufe. Mehr als 13.000 Videos mit interaktiven Übungen, Hausaufgaben-Chats mit Experten und Online-Nachhilfestunden mit persönlichem Lehrer garantieren einen Rundum-Service. Seit März 2016 ist die Lösung neben Deutschland, Schweiz und Österreich auch in den USA verfügbar. © UVB 2016 / Florian Bolk
Danny Wernicke war für Teacher Studio vor Ort. www.teacherstudio.de ist eine Schüler- und Notenverwaltung, Lehrerkalender sowie Kursheft in einer App. Das Programm bündelt alle wichtigen Informationen und Arbeitsprozesse, die in der Schule anfallen. So können Lehrer Schülerdaten verwalten, Noten berechnen, Fehlzeiten erfassen und Unterrichtsstunden über die App flexibel und mobil planen. © UVB 2016 / Florian Bolk
www.supratix.com bietet eine Lern- und Experimentier-Plattform als Web-App speziell für die naturwissenschaftlichen Fächer (MINT-Fächer). Dabei verbindet die Plattform das Lernen mit modernen und spielerischen Elementen. So werden Lerninhalte als Text, interaktive Grafik oder via Video vermittelt. Zudem bietet ein virtuelles Labor die Möglichkeit, gelehrte Experimente auszuprobieren und eigene Fallstudien zu erstellen. © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: www.itslearning.de ist die einfache und sichere, webbasierte Lernplattform für alle Bildungseinrichtungen – von der Grundschule bis zur Universität. Große Schulträger wie Houston (USA), Oslo (Norwegen), Stockholm (Schweden) und in Deutschland als erstes Bundesland Bremen setzen das Lernmanagementsystem schon heute als die im Podium diskutierte Bildungs-Cloud ein. (v.l.n.r.: Peter Sidro, Barbara Brennecke, Jens Neumann) © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: Die TIME for kids Informationstechnologien GmbH wurde 2001 gegründet und steht für Technologien aus Telekommunikation, Informationstechnik, Multimedia und Edutainment. Das Unternehmen ist Marktführer beim Kinder- und Jugendschutz im deutschsprachigen Raum und zudem Spezialist für Netzwerksicherheit und -management. Seit 2002 unterstützt Time for kids gesellschaftlich wichtige Projekte durch die dauerhafte Förderung der gemeinnützigen TIME for kids Foundation. (im Bild: Hans-Jürgen Blam) © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: Jugend Programmiert ist die Lösung, um einfach, schnell und vor allem gut verständlich die Welt des Programmierens kennen zu lernen. Mittels eines Starterbuchs in einfacher Sprache und ersten Bauelementen werden Jugendliche Schritt für Schritt an das Programmieren herangeführt. Dabei ist der Lernprozess mit praktischen Anwendungen verknüpft, so dass sich in kleinen Experimenten schnell sichtbare Ergebnisse einstellen. (im Bild: Samuel Brinkmann) © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: Teacher Studio (www.teacherstudio.de) © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: bettermarks (www.bettermarks.com) © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: Supratix (www.supratix.com) © UVB 2016 / Florian Bolk
Die Aussteller: Sofatutor (www.sofatutor.com) © UVB 2016 / Florian Bolk