Runder Tisch „Dialog: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“
Die sich wandelnde Arbeitswelt und ihr Einfluss auf die psychische Gesundheit rücken zunehmend in den Fokus des Arbeits- und Gesundheitsschutzes – und das nicht erst mit der Zunahme diagnostizierter psychischer Erkrankungen oder der um psychische Belastungen erweiterten Gefährdungsbeurteilung. Mit einer gemeinsamen Erklärung zur Psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt haben die Sozialpartner BDA und DGB gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium 2013 den Rahmen für sozialpartnerschaftliche Aktivitäten in diesem Themenfeld geschaffen.
Das jüngst zum Abschluss gebrachte Forschungsprojekt "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wissenschaftliche Standortbestimmung" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA) ist eine dieser Aktivitäten. Das Projekt hat den Wissensstand zu psychischen Arbeitsbedingungsfaktoren in der Arbeit systematisch aufbereitet und die Übertragbarkeit der vorhandenen Erkenntnisse auf die sich verändernden Arbeitsbedingungen bewertet. In vier Themenblöcken wurde der Stand der Wissenschaft zu aufgabenbezogenen Anforderungen, Aspekten der Arbeitszeitgestaltung, der physikalisch-technischen Arbeitsumgebung sowie sozialen und organisationalen Faktoren zusammengetragen und bewertet. Zudem zeigt das Forschungsprojekt auf, welche neuen Arbeitsanforderungen sich durch den Wandel der Arbeitswelt ergeben. So geben sogenannte Scoping Reviews zu einer Vielzahl von Themenfeldern wie „Technische Faktoren“ oder „Arbeitszeit“, aber auch „Mensch-Rechner-Interaktion im Büro“ oder „Führung“ Auskunft über die Beziehungen zwischen psychischer Belastung und psychischer Gesundheit und enthalten Gestaltungsempfehlungen.
Der Bericht empfiehlt eine kontinuierliche Weiterentwicklung des technischen Arbeitsschutzes und technisch-organisatorischer Arbeitssysteme, ein Ausbalancieren von Arbeit und Erholung, die Stärkung von Führungskräften und Beschäftigten als primäre Gestaltungsakteure beziehungsweise die Weiterentwicklung von Handlungskompetenzen der professionellen Arbeitsschutzakteure sowie den systematischen Ausbau des Wissens über Möglichkeiten und Grenzen des Handelns für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Auf Basis dieser Erkenntnisse haben die Sozialpartner gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium nun den Runden Tisch „Dialog: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ ins Leben gerufen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA) wird diesen wissenschaftlich begleiten. Der Vorsitzende der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz (NAK) wird als Schnittstelle zum Arbeitsschutz beteiligt. Im Rahmen des Dialogprozesses sollen die Befunde aus dem Abschlussbericht der BAuA vertieft diskutiert und Schlussfolgerungen für die Gestaltung einer gesundheitsgerechten Arbeitswelt gezogen werden. Der Runde Tisch wird durch einen Steuerkreis, dem auch Entscheidungsträger aus Branchenverbänden und Einzelgewerkschaften angehören, begleitet.
Der vollständige Forschungsbericht der BAuA zum Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wissenschaftliche Standortbestimmung“ sowie die Scoping Reviews und weitere Materialien stehen auf der Homepage der BAuA zum Download bereit.