09.04.26 | Berlin

Wie Sicherheit den Standort stärkt

Wirtschaft, Bundeswehr und Politik rücken angesichts der Zeitenwende enger zusammen. Das bedeutet neue Perspektiven

Vergaser, Benzinpumpen, Drosselklappen, Wärmetauscher – solche Komponenten haben über viele Jahre das Berliner Rheinmetall-Werk verlassen. Jetzt brechen neue Zeiten an: Der Betrieb, der bis in die 1980er-Jahre Pierburg hieß, steigt in ein neues Geschäftsfeld ein. Der Standort wird nach und nach umgestellt und produziert dann Teile für Geschosse – unter dem neuen Namen Rheinmetall Waffe Munition. Die Nachfrage ist gesichert, es gibt langfristige Absatzverträge. 

Auch in Lübben findet Wandel statt. Das Spreewerk, in dem früher Kampfmittel entsorgt und Batterien recycelt wurden, steht künftig unter der Ägide von Diehl Defence. Munitionskomponenten sollen hier entstehen. Derzeit läuft die Suche nach geeignetem Personal. 

Sicherheit und Verteidigung rücken in den Fokus

Rheinmetall und Diehl sind Beispiele einer Industrie im Umbruch. Angesichts der veränderten und unsicheren Weltlage rückt Sicherheits- und Verteidigungstechnik stärker in den Fokus. Vielen ist bewusst geworden, wie wichtig Sicherheit und Abschreckung sind. In Berlin und Brandenburg spielt die Branche einer immer stärkere Rolle – nicht nur wegen der Nähe zur Regierungszentrale. Der Wehretat im Bundeshaushalt zeigt, welches Potenzial in dieser Entwicklung steckt. 2029 soll er bei 152 Milliarden Euro liegen, dreimal so hoch wie 2023. 

Rund 130 Unternehmen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie mit 26.000 Beschäftigten zählt der Senat in der Hauptstadtregion. Betriebe, die Dual-Use-Güter produzieren, sind noch nicht eingerechnet. CDU und SPD wollen ein Defense-Tech-Ökosystem aufbauen, wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sagt: „Gerade als Bundeshauptstadt haben wir eine besondere Verantwortung in den Bereichen Sicherheit und Resilienz.“ Berlin soll sich als Standort für sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologien profilieren, um Unternehmensgründungen und -ansiedlungen zu fördern. In Frage kommen Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Cyber-Security, Health Tech, Drohnentechnik Optik, Photonik, Robotik, Sensorik oder Luft- und Raumfahrt. 

Etablierte Firmen und Start-ups im Geschäft

Das ist keine Zukunftsmusik. Neben den etablierten Unternehmen, die ihr Sicherheitsgeschäft ausbauen, kommen neue Start-ups hinzu. So wie Stark Defence, ein erst 2024 gegründeter Hersteller von Kamikaze-Drohnen. Die Nachfrage danach ist enorm. Die Bundeswehr, die ukrainische und die britische Armee zählen bereits zu den Kunden. 

Fluggeräte und die dazu nötige Software kommen auch von dem Unternehmen Germandrones. Sie können von Polizei und Landwirtschaft, aber auch vom Militär zur Aufklärung eingesetzt werden. Auch eine Transportdrohne ist im Angebot. Das Unternehmen produziert im ehemaligen Flughafen Tegel. Andres Industries aus Lichtenberg hat sich spezialisiert auf den Bau von Wärmebildgeräten, die an Handwaffen und Helmen befestigt werden. 

VME startet Initiative ,Sicherheit und Resilienz´ 

„Die Industrie in Berlin und Brandenburg kann mit ihren technologischen Kompetenzen dabei helfen, die Verteidigung des Landes zu modernisieren“, sagt VME-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp. „Wir setzen dazu auf einen noch engeren Austausch zwischen unseren Unternehmen und den staatlichen Stellen. Mit unserer Initiative ,Sicherheit und Resilienz´ leisten wir dazu einen wichtigen Beitrag. Der Schutz kritischer Infrastruktur steht hier ebenso im Fokus wie die Vernetzung mit der Bundeswehr.“ 

Bundeswehr sucht Anschluss an High-Tech 

Das ist auch ein Thema im Cyber Innovation Hub der Streitkräfte in Berlin. 50 Soldaten und Zivilsten sollen hier Kontakt halten zu Erfindern und Gründern, damit die Bundeswehr technologisch auf der Höhe bleibt. Ein Ziel ist, Neuentwicklungen aus dem zivilen Bereich für das Militär nutzbar zu machen – das geht aus Sicht der Bundeswehr schneller, als eigene Projekte zu entwickeln. Mehr als 40 Innnovationen habe der Hub seit 2017 bereits in die Truppe gebracht, heißt es. 

Potenzial für die Transformation steckt auch im geplanten Ausbau des Luftabwehr-Zentrums Holzdorf an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. 47 Transporthubschrauber stationiert die Bundeswehr dort, zusätzlich wird dort die Luftverteidigung ausgebaut. Die Landesregierung in Brandenburg rechnet mit 1.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen – und auch weiteren Impulsen für die Wirtschaft. 

 

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