02.10.25 | Berlin

Wo Öl und Ideen fließen

Wie Evamo die Herausforderungen der Transformation annahm – und zum Hidden Champion mutierte

Für zufriedene, selbstbewusste Töne sind Manager der Automotive-Industrie dieser Tage nicht unbedingt bekannt. Der harte Wettbewerb, die hohen Kosten, die Transformation, die Regulierung von Seiten der EU – eine lange Liste von Beschwernissen treibt die Chefs der Branche um. Bei Arne Otto ist das anders. „Wir sind ein echter Hidden Champion“, sagt er. „Unsere Zahlen sind gut, wir haben eine erfolgreiche Sanierung hinter uns. Wir verdienen Geld, so dass wir in Produktion und neue Produkte und Services investieren können.“

Otto, 50, ist Geschäftsführer des Berliner Zulieferers Evamo – Pump Technology Solutions. Der Name ist in der Branche noch recht neu, das Akronym steht für „Efficiency and value for mobility“. Tatsächlich ist das Unternehmen aber ein alter Bekannter. Evamo ist hervorgegangen aus der einstigen Lenksystem-Sparte von Bosch, die eine jahrzehntealte Tradition hat und einst von ZF gegründet wurde.

2022 trennte sich Bosch Automotive Steering von der Business Unit „Pumpe“ und verkaufte sie an den Münchener Finanzinvestor Fidelium Partners. „Das war ein Glücksfall für uns“, berichtet Otto. „Wir können jetzt unsere Entscheidungen flexibel und unabhängig treffen, ohne die Zwänge in einem Großkonzern.“

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Lange Tradition: Das Werk in Berlin-Wittenau gehört wie der gesamte Konzern jetzt dem Finanzinvestor Fidelium Partners. © Evamo

Zu entscheiden hatten Otto und seine Mannschaft eine Menge, als sie endlich auf eigenen Füßen standen – die Zahlen waren anfangs nicht gut. Hydraulische Servopumpen, die mittels Öldrucks die Lenkung unterstützen, sind das Kerngeschäft von Evamo. Doch im Pkw-Bereich haben sich in den vergangenen Jahren elektrische Lenksysteme durchgesetzt.

Aus dem schwierigen Markt hat sich Evamo deshalb weitgehend zurückgezogen und liefert nur noch Ersatzteile. „Unser starkes Standbein sind jetzt die Nutzfahrzeuge“, unterstreicht Otto. „Hier sind wir in Europa und Südamerika Marktführer und im Nordamerika-Geschäft unter den Top drei.“ Praktisch alle großen Lastwagen-Hersteller ordern heute bei Evamo.

Der Hochlauf der Elektromobilität in diesem Segment dauert deutlich länger, als noch vor einigen Jahren vermutet. Es fehlt unter anderem an einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für den Schwerlastverkehr. „Die Elektrifizierung der Nutzfahrzeuge im großen Stil sehen wir in den nächsten Jahren noch nicht“, befindet Otto. Er erwartet, dass die Nachfrage nach Hydraulik-Pumpen vorerst recht stabil bleibt – sowohl für Fahrzeuge auf der Straße als auch abseits davon.

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Geschäftsführer: Arne Otto hat schon viele Firmen wieder auf Kurs gebracht. Auch bei Evamo sieht es gut aus. © VME 2025 | Leo Seidel

Ideen für die Zeit nach der Verbrenner-Ära

Berlin ist der wichtigste Standort und die Unternehmenszentrale der global agierenden Evamo-Gruppe. Rund 500 Beschäftigte arbeiten im größten Produktionswerk in Wittenau. Hinzu kommen ein Vertriebs- und Engineering-Zentrum in Schwäbisch Gmünd, weitere Produktionsstätten in Brasilien und China sowi ein Vertriebsbüro in den USA. Mit 850 Beschäftigten setzt das Unternehmen rund 220 Millionen Euro um.

Und wenn sich doch eines Tages der Wind dreht und die Zeit der Hydraulik-Pumpe abläuft? „Wir bereiten uns vor“, versichert Otto. Evamo bleibe nicht stehen und arbeite kontinuierlich an neuen hydraulischen und elektro-hydraulischen Pumpenlösungen für Hoch- und Niederspannungsnetze, aber auch darüber hinaus. Seine Leute haben ein innovatives Verfahren entwickelt, das mittels Sensorik und Algorithmik den Luftgehalt in Ölen und Schmiermitteln misst. „Mit Öl kennen wir uns schließlich aus“, sagt Otto.

Ist zu viel Luft im Öl enthalten, leiden Effizienz und Lebensdauer von Motoren, Getrieben, Pumpen und anderen Systemen erheblich. Mit Hilfe des neuartigen Verfahrens von Evamo könnten sich zum Bei-spiel Ölgemische optimieren und Wechselintervalle von Ölen reduzieren lassen. Das würde nicht nur die Lebensdauer von Anlagen verlängern, sondern auch deren CO2-Fußabdruck verbessern. Otto: „Hier könnte ein neuer, interessanter Markt für viele Anwendungen entstehen, von Getrieben und Pumpen in Fahrzeugen und Industrie bis zur Windkraftanlage.“

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Präzisionsarbeit: Bei den Hydraulikpumpen von Evamo geht es um Tausendstel Millimeter. 500 Menschen arbeiten für den Nutzfahrzeug-Zulieferer. Bei der Metallbearbeitung spielen Automatisierung und Erfahrung eine wichtige Rolle. © Evamo

Zukunft spielt auch bei der Personalplanung eine wichtige Rolle. 19 junge Leute lernen derzeit am Standort Berlin den Beruf des Zerspanungsmechanikers oder des Mechatronikers. „Ausbildung hat bei uns seit jeher einen hohen Stellenwert, auch als es uns wirtschaftlich nicht so gut ging. Wir sind schon vielfach ausgezeichnet worden“, erzählt Otto. Die Pläne der Berliner Koalition für eine Ausbildungsplatz-Abgabe sieht er deshalb kritisch. „Ich würde nicht verstehen, warum das Land Berlin Betriebe wie uns, die langjährig und nachweislich erfolgreich ausbilden, zusätzlich mit einer solchen Abgabe belasten will“, kritisiert er.

Seinen Optimismus will sich der Geschäftsführer aber nicht nehmen lassen. „Wir hoffen, dass es noch andere Lösungen gibt“, sagt Otto. „Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass es die Wirtschaft mit Herausforderungen aufnehmen kann – wenn man sie lässt.“

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Titelseite, M-E-Report, Ausgabe 03/2025

M+E-Report 3/2025

Dieser Text stammt aus dem M+E-Report, dem Magazin des VME.

Anschrift

Evamo Pump Technology Solutions

Lange Enden 1

13437 Berlin

www.evamo.com

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