15.12.25 | Berlin

Was nach der Kohle kommt

Die SIK Peitz GmbH hält Kraftwerke am Laufen. Viele gehen bald vom Netz. Doch für die Zukunft hat das Unternehmen schon eine Idee.

Die hohen weißen Dampfwolken über den Kühltürmen zeigen es von Weitem: Im Kraftwerk Jänschwalde entsteht viel Energie. Genauer gesagt: Strom und Fernwärme für Cottbus und die Region. In direkter Nachbarschaft des gewaltigen Kraftwerkskomplexes befinden sich Hauptsitz und Fertigungshallen der SIK Peitz GmbH. Im Jahr 1980 als VEB Instandsetzung Kraftwerke gegründet, hat sich der Betrieb auf den Rundum-Service für Kraftwerke wie Jänschwalde und andere Industrieanlagen spezialisiert.

Neben dem Hauptsitz Peitz/Teichland verfügt SIK Peitz mit seinen rund 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern heute über Niederlassungen in unmittelbarer Nähe großer Industrieanlagen oder Kraftwerke: Neben den Lausitzer Standorten Schwarze Pumpe, Boxberg und Lippendorf ist das Unternehmen auch in Berlin, Schwedt und Gladbeck präsent.

„Über unsere regionalen Niederlassungen stellen wir vor allem einen schnellen und kompetenten Vor-Ort-Service sicher“, erklärt Geschäftsführer Mario Peper (60). Der gebürtige Bottroper steht seit 2020 an der Spitze der SIK Peitz GmbH. „Unsere Techniker müssen zu jeder Tages- oder Nachtzeit an 365 Tagen im Jahr bereit sein.“ Im Notfall beheben sie im schier unübersichtlichen System aus Mahlanlagen, Rohrleitungen, Druckbehältern oder Dampferzeugern eines Kraftwerks unverzüglich Störungen oder ersetzen defekte Teile einer Industrieanlage. Sie sorgen dafür, dass Anlagen der kritischen Infrastruktur möglichst ohne Ausfälle zuverlässig weiterlaufen.

Elbphilharmonie, Hamburg, Hafen, Schiff

Damit die Energie fließt: Die Schlagräder, die Braunkohle zerkleinern, gehören zu den Herzstücken eines Kraftwerks. © SIK Peitz

Betritt man eine der Fertigungshallen von SIK Peitz, hört man gleich das Knistern der Schweißbrenner oder das Schleifen einer Flex. Der Geruch von heißem Stahl liegt in der Luft. Die Fachkräfte des Unternehmens verarbeiten unterschiedlichste hitzebeständige Werkstoffe mit hoher Präzision. Sie fertigen insbesondere Bau- und Ersatzteile für Energie- und Industrieanlagen, die einen hohen Druck aushalten müssen.

Stahl-Kompetenz – vom TÜV geprüft

Hierfür bringt das Team eine große Bandbreite an Kompetenzen mit: Rohre und andere Bauteile werden gebogen, geschweißt, gebohrt, geschnitten, gerundet, gesägt, geformt oder gefräst. Dabei hilft neben viel handwerklichem Geschick auch ein umfangreicher Maschinenpark – von der Membranwandschweißmaschine über eine Plasmaschneidanlage und CNC-Rohrbiegemaschinen bis hin zu Bandsägen. Auch eine Claddingmaschine kann eingesetzt werden, wenn Schutzschichten auf besonders stark beanspruchte Bauteile aufgeschweißt werden müssen.

SIK Peitz fertigt Werkstücke in zumeist geringer Stückzahl für sehr spezifische Einsatzzwecke. Die Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit sind dabei oft so hoch, dass sie nur mit Freigabe durch den TÜV verbaut werden dürfen. Dessen Prüfer sind daher Dauergäste in den Werkshallen von SIK Peitz, wo sie den frisch fertiggestellten Bauteilen direkt auf den Zahn fühlen.

Dämpfer, GERB

Da, wo's brennt: Der Hauptsitz der SIK Peitz liegt direkt neben Jänschwalde. Durch seine große Nähe zu Industriestandorten kann das Unternehmen stets schnellen Service bieten. © SIK Peitz

Manche Komponenten, etwa Rohrleitungen oder Druckbehälter, passen in keine Fertigungshalle. Sie werden dann Stück für Stück bearbeitet, anschließend mit Spezialfahrzeugen zum Zielort transportiert und erst dort von eigenen Montage-Teams zusammengesetzt und eingebaut. Nicht selten müssen die Experten von SIK Peitz dann ihre athletischen Fähigkeiten zeigen – etwa wenn sie ihre Schweißbrenner an kaum zugänglichen Stellen oder in großer Höhe einsetzen.

„Stillstand darf keine Option für uns sein“

Aktuell erzielt SIK Peitz einen erheblichen Anteil des jährlichen Umsatzes von rund 50 Millionen Euro mit der kohlenahen Industrie. Doch bis spätestens Ende Dezember 2038 soll die Energiegewinnung aus Kohle beendet sein. Die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe, Boxberg und Lippendorf sollen 2028, 2035 und 2038 stillgelegt werden. Wie geht es dann weiter? „Wenn sich das Energiesystem wandelt, darf Stillstand keine Option für uns sein“, findet Peper. „Mit unserem technischen und industriellen Know-how können wir die industrielle Transformation erfolgreich mitgestalten und unser eigenes Unternehmen zukunftsfest machen.“ Der Ausbau des Projektgeschäfts in kohlefernen Industrien steht für das Team daher schon seit längerer Zeit ganz oben auf der Agenda. In der chemischen, petrochemischen und Papierindustrie sowie im Bereich der alternativen Energieversorgung, etwa mit Wasserstoff, ist das Unternehmen bereits aktiv.

Das Management setzt zudem darauf, die Geschäftsbereiche Engineering sowie Elektro-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik auszubauen. Schon jetzt erarbeiten die Ingenieure von SIK Peitz beispielsweise Konzepte, um die Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Effizienz von Industrie- und Kraftwerksanlagen zu erhöhen und Verschleiß zu minimieren. Auch alternative Speichertechnologien stehen im Fokus. Derzeit entwickelt man gemeinsam mit renommierten Partnern aus Forschung und Industrie einen Latentwärmespeicher.

Christoph von Waldow, GERB, Schwingungsisolierungen, Geschäftsführender Gesellschafter

Offen für Neues: Mario Peper ist zuversichtlich, dass SIK Peitz auch nach der Energiewende gute Zukunftsaussichten hat. © SIK Peitz

Auch auf Ausbildung setzt das Unternehmen weiter. Im werkseigenen Ausbildungs- und Qualifizierungszentrum der Schwestergesellschaft KIS Kraftwerks- und Industrieservice GmbH sollen weiter jährlich bis zu acht junge Leute in ihre Ausbildung starten. Aktuell lernen 23 angehende Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker und Industriekaufleute ihre Berufe an den Standorten Peitz/Teichland und Lippendorf.

„Junge Menschen bringen frische Ideen, Mut und Neugier mit“, argumentiert Mario Peper. „Genau das brauchen wir heute, um neue Technologien und Energielösungen in der Lausitz voranzubringen und SIK Peitz für die Zukunft aufzustellen.“

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M+E-Report, Titelseite, Ausgabe 01/2026

M+E-Report 4/2025

Dieser Text stammt aus dem M+E-Report, dem Magazin des VME.

Anschrift

SIK Peitz GmbH

Teichlandstraße 1

03185 Teichland

www.sik-service.com

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Carsten Brönstrup
Abteilungsleiter Presse und Kommunikation, Pressesprecher
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