10.12.19

Wie Künstliche Intelligenz die Industrie verändert

Gegenüber anderen Regionen haben Berlin und Brandenburg einen unschätzbaren Vorteil.

Scharf muss sie sein, superscharf. Und zwar jede einzelne Klinge, die das Gillette-Werk in Berlin-Tempelhof ausliefert. Schließlich ist man Marktführer und will es auch bleiben. Eine unscheinbare Kamera hilft seit einiger Zeit dabei. Sie übernimmt den Qualitäts-Check, wenn die Klingen nach dem Schmieden, Härten und Schleifen die Maschinen verlassen. „Unser System kann Fehler sehr zuverlässig erkennen“, sagt Thomas Staufenbiel. „Dank künstlicher Intelligenz arbeitet es viel genauer als das menschliche Auge.“

Staufenbiel, der früher Raketen gebaut hat, ist einer der Chefs des Berliner Startups Gestalt Robotics. Er und seine 16 IT-Experten haben das Kamera-System bei Gillette installiert. Gestalt Robotics ist auf lernende Maschinen für die industrielle Produktion spezialisiert. Gerade ist ihr Unternehmen in eine Hinterhof-Etage am Schlesischen Tor gezogen, sie brauchte mehr Platz. „Wir können gar nicht so schnell wachsen, wie neue Aufträge hereinkommen“, berichtet er.

Bilderkennung, autonomes Fahren, smarte Steuerung

In jedem iPhone, in jeder Web-Suchmaschine gehört Künstliche Intelligenz (KI) zum Alltag. Nun spielt sie auch in der Industrie eine immer größere Rolle. Bilderkennung wie bei Gillette, autonomes Fahren, Assistenzsysteme in der Montage, smarte Maschinensteuerung – zahllose Anwendungen sind denkbar. KI könnte eine neue Grundlagentechnologie werden.

Künstliche Intelligenz, Berlin,Brandenburg
Gut vernetzt: In Sachen KI haben Berlin und Brandenburg einen deutlichen Vorsprung gegenüber anderen Regionen in Deutschland. © AdobeStock

Berlin und Brandenburg sind gut gerüstet

Berlin und Brandenburg sind gut vorbereitet: Mehr als 200 KI-Firmen mit 5.000 Beschäftigten hat die Technologiestiftung allein in der Hauptstadt ausgemacht. Jeder zweite neue KI-Betrieb hierzulande wird an der Spree gegründet. Damit ist die Region der deutschlandweite Hotspot für diese Zukunftstechnik. Viele der jungen Unternehmen haben die Industrie im Fokus. „Im B2C-Geschäft dominiert Amerika das Geschehen“, sagt Hans-Peter Klös, Leiter Wissenschaft beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Im B2B-Geschäft haben wir noch die Chance, das europäische Industriemodell zu sichern und auszubauen.

Viele Einsatzorte für die KI

Zahlreiche Betriebe setzen KI bereits erfolgreich in der Praxis ein. „Green Machine“ hat Daimler sein Projekt im Mercedes-Benz-Werk in Marienfelde getauft. Dabei analysiert ein lernender Algorithmus die Maschinen in der Serienproduktion und optimiert sie in Echtzeit. Das spart Energie und reduziert den Verschleiß.

Ein ähnliches Ziel hat das Berliner Startup Industrial Analytics. Seine Software hilft im Vattenfall-Heizkraftwerk in Berlin-Mitte dabei, dass ein wichtiger Erdgas-Verdichter nicht ausfällt. Die Software erfasst über spezielle Sensoren akustische Signale und Schwingungsdaten der Maschine aus und erkennt Fehler. Teurer und folgenreicher Stillstand wird so vermieden.

Eigenes KI-Zentrum für mehr als 100 Millionen Euro

Der Triebwerks-Hersteller Rolls-Royce baut in Dahlewitz sogar ein eigenes KI-Zentrum für mehr als 100 Millionen Euro. Eines der Ziele ist es, mittels lernender Software so früh wie möglich zu erkennen, ob und wann ein Flugzeugmotor in die Wartung muss. Überhaupt ist die Mobilität ein wichtiges Anwendungsfeld. Auf der Straße des 17. Juni arbeiten Forscher der Technischen Universität daran, autonomes Fahren praxistauglich zu machen. Ohne KI wäre das undenkbar.

"Berlin ist ideal, um KI in die Praxis zu bringen"

„Künstliche Intelligenz ist eines der wichtigsten Einsatzfelder für die Industrie 4.0“, sagt VME-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. „Berlin ist der ideale Standort, um KI zu entwickeln und in der Praxis anzuwenden. Wir haben die einmalige Startup-Szene und erstklassige Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung.“ Um das Potenzial auszuschöpfen, das in der KI steckt, arbeitet der VME an einer neuen Technologie- und Wissensplattform. Sie soll Firmen helfen, neue Verfahren und Methoden in der Praxis einzusetzen. Neben der KI geht es um 3D-Druck, um das industrielle Internet der Dinge sowie um künstliche Realitäten. „Wir wollen für Vernetzung sowohl mit der Startup-Szene als auch mit der Wissenschaft in der Region sorgen“, erklärt Amsinck. „Der Industrie kann das einen echten Produktivitätsschub bringen.“

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