10.11.21Berlin

Metall-und Elektroindustrie leidet massiv unter Liefer-Engpässen

VME-Umfrage: Vier von fünf Betrieben sind in ihrer Arbeit gebremst - Rückkehr der M+E-Branche zur Normalität rückt in die Ferne

Die Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg hat es aktuell mit massiven Versorgungs- und Lieferengpässen zu tun. Fast jedes Unternehmen ist betroffen: Vier von fünf Betrieben würden von einer „starken“ oder „mittleren“ Einschränkung von Produktion oder Geschäftstätigkeit gebremst, ergab eine Umfrage des Verbandes  der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME) unter seinen Mitgliedsfirmen.

"Sehr herausfordernde Lage"

Die Lage in der M+E-Industrie sei „sehr herausfordernd“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck am Mittwoch. Betroffen sei die gesamte Branche, kleine Betriebe ebenso wie Mittelständler und große Konzerne. „Die erhoffte Rückkehr unserer Unternehmen zu wirtschaftlicher Normalität ist durch die anhaltende Lieferkrise erst einmal in die Ferne gerückt. Niemand weiß, wie lange uns die Logistik-Probleme noch beschäftigen werden. Mit der Industrie fehlt derzeit eine zentrale Stütze der Wirtschaft für zukünftiges Wachstum.“

Im Durchschnitt verlieren die Betriebe in diesem Kalenderjahr durch die Lieferprobleme 16% des Umsatzes.

Preise bis zu 200 Prozent höher

Die größten Engpässe treten den Firmen zufolge bei Halbleitern und Elektronikbauteilen auf, gefolgt von Vorprodukten aus Metall und Stahl, Gasen und Gussteilen. 71 Prozent der Betriebe gaben an, es mit verzögert eintreffenden Waren zu tun zu haben. 69 Prozent berichteten von gestiegenen Preisen im Einkauf. Im Durchschnitt betrage der Aufschlag 46 Prozent, im Extremfall bis zu 200 Prozent. „Dieser Punkt macht mir große Sorgen“, bekannte Amsinck. „Steigende Kosten schlagen direkt auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit durch.“

Weiterhin beklagten die Unternehmen noch Lieferungen in zu geringen Mengen (51 Prozent), ganz ausbleibende Lieferungen von Materialien und Vorprodukten (44 Prozent) und solche, bei denen die Qualität nicht ausreicht (16 Prozent). Befragt wurden 130 Unternehmen mit insgesamt rund 100.000 Beschäftigten in Berlin und Brandenburg.

Die Preissteigerungen betragen im Durchschnitt 46 Prozent - der geringste Wert liegt bei 3 Prozent, das Maximum bei 200 Prozent.

Am häufigsten reagieren die Unternehmen auf die Probleme, indem sie sich alternative Lieferanten oder Produkte suchen. Das tun 62 Prozent der befragten Firmen. 58 Prozent versuchen, die gestiegenen Kosten zumindest teilweise an Kunden und Lieferanten weiterzugeben. 44 Prozent haben nach eigenen Angaben die Produktion eingeschränkt, 22 Prozent beantragten Kurzarbeit. Der Abbau von Beschäftigung spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Wie die Unternehmen auf die Probleme reagieren - verschiedene Strategien stehen im Fokus.

Flexible Lösungen nötig

Die im VME zusammengeschlossenen Firmen fordern die Politik auf, ihre Arbeit mit Erleichterungen zu unterstützen. Genannt wurde dabei etwa eine vorübergehende Aufhebung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen, aber auch eine temporäre Erlaubnis von Nachtflügen für Frachtflugzeuge. Helfen könnten auch eine zügigere Arbeit der Zollbehörden und verbesserte Regeln zur Kurzarbeit. „Die Politik sollte sich flexibel zeigen und die Unternehmen gerade jetzt unterstützen“, mahnte Amsinck. „Je schneller das gelingt, desto eher kommen unsere Firmen wieder auf einen Wachstumspfad.“

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg e. V. (VME) vertritt die Interessen der größten Industriebranche der Region. Er ist regionaler Tarifpartner der Branchengewerkschaften der M+E-Industrie. Daneben setzt er sich für die Belange seiner Unternehmen in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Sozialpolitik ein. Dem VME gehören rund 130 Unternehmen an. Auf Bundesebene ist der VME mit anderen regionalen Metallarbeitgeberverbänden im Dachverband GESAMTMETALL zusammengeschlossen. Der VME ist der größte Mitgliedsverband der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB).

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Umfrage unter 130 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten

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