03.03.20Berlin

Teure Arbeit

Die Lohnstückkosten für die deutsche Industrie sind 2019 deutlich gestiegenen. Nur wenige Länder produzieren noch teurer.

Die deutsche Industrie schultert im internationalen Vergleich nach wie vor hohe Kosten. In den ersten drei Quartalen 2019 legten die Lohnstückkosten um 6,7 Prozent zu. In einer Gruppe von 27 Industrieländern, darunter Frankreich, Großbritannien, USA und Japan, lag das Plus nur bei 3,0 Prozent. Damit ist die deutsche Lohnstückkostenposition gegenüber dem Euroraum so schlecht wie zuletzt 2002. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Lohnstückkosten geben an, wie hoch die Arbeitskosten je Wertschöpfungseinheit sind. Hierzu werden die Arbeitskosten zur Produktivität ins Verhältnis gesetzt. Das Lohnstückkostenniveau zeigt somit, ob beispielsweise hohe Arbeitskosten durch eine entsprechend hohe Produktivität unterfüttert sind oder ob die Unternehmen für ein vergleichbares Produkt mehr an Löhnen und Sozialleistungen aufwenden müssen als andere Standorte.

Das bedeutet, dass die deutschen Industrieunternehmen höhere Arbeitskosten je Arbeitnehmerstunde im Verhältnis zur Produktivität haben als die meisten anderen Länder. Noch kostenintensiver als in der Bundesrepublik ist die Produktion nur in Norwegen, Kroatien, Großbritannien, Frankreich und Estland. Außerhalb Europas produzieren Unternehmen in den USA und Japan deutlich günstiger als in Deutschland. 

Zwar ist die deutsche Industrie deutlich produktiver als ihre Wettbewerber. Dies kann die höheren Arbeitskosten aber nicht mehr ausgleichen. Die Arbeitskosten setzen sich zusammen aus Löhnen, Abgaben und Steuern. Deutschland ist hier pro Stunde gerechnet um rund 24 Prozent teurer als das Ausland.

Vor allem die schwache Industriekonjunktur hat dazu geführt, dass die Produktivität im vergangenen Jahr hierzulande um vier Prozent gesunken ist. Dadurch sind die Lohnstückkosten um mehr als sechs Prozent gestiegen.

„Das sind alarmierende Ergebnisse“, sagt Studienautor Christoph Schröder. „Für deutsche Unternehmen wird es immer schwieriger, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten.“ Eine Verbesserung der konjunkturellen Situation ist nicht in Sicht. Forderungen nach höheren Löhnen stellen deutsche Unternehmen vor ein Problem: Wenn die Beschäftigung weiterhin hochgehalten werden soll, können Löhne nicht gleichzeitig weiter angehoben werden. 

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